Sonntag, 21. März 2010

Touristenprogramm: Sala

Es wird Zeit, sich Gedanken zu machen, was man so alles unternehmen kann, wenn mal Besuch aus der Heimat kommt. Deshalb waren wir gestern mal in Sala, einer kleinen Stadt ca. 50 km westlich von Uppsala, bekannt als die Silberstadt, weil es hier ein stillgelegtes Silberbergwerk gibt.Sala ist eine niedliche, kleine Stadt mit hübscher Architektur, ein paar netten Cafés und Geschäften und einem schönen Park. Obwohl wir uns gestern nur die Innenstadt angeschaut haben, kann man hier außerdem ein Kunstmuseum besuchen, aber auch diverse Touren durch die Silbermine machen. Unter anderem kann man dort auch speisen und übernachten.

Hier ein paar bildhafte Eindrücke. Ansonsten folgen demnächst weitere Vorschläge, was man als Tourist in der Umgebung von Uppsala unternehmen kann.

Freitag, 19. März 2010

Ein Jahr danach

Ich hatte es im Gefühl, daß da was war im März. Und doch hab ich mich erst zu spät erinnert: gestern vor einem Jahr war meine Verteidigung. Meine Güte, die Zeit vergeht wirklich wie im Flug. Und bis auf mein Leben hat sich eigentlich nichts verändert. Da soll noch einer sagen, der Doktor wäre nicht lebensverändernd.

Ach ja, mein 4jähriges Diplomjubiläum letzte Woche hab ich auch verpennt.

Glückliches neues Jahr!

Kann es ein, daß ich ein bißchen spät dran bin? Nein, nicht in diesem Fall, denn dieses Wochenende feiert man im Iran das neue Jahr. Da es in Schweden, und speziell in Uppsala, eine Menge Iraner gibt, wurde heute bei uns am Institut nach Feierabend eine Neujahrsfeier abgehalten.

Beim sogenannten Nowruz feiert man das Ende des Winters und den Beginn des Frühlings, indem man zuerst das Haus putzt und dann feiert. Dafür gibt es einen Tisch mit den sogenannten 7 S, sieben typische Symbole (Getreidekeimlinge, Honig usw.). Hier am Institut hatten die Iraner außerdem einige typische Süßigkeiten zum Probieren bereitsgestellt, z.B. kleine Plätzchen aus Zucker und Erbsenmehl (sehr lecker). Außerdem gab es eine Diaschau mit Fotos und die Vorführung einer Dokumentation, sowie moderne iranische Musik. Im Gegensatz zum üblichen TGIF (Freitagsbier), gibt es zwar eigentlich kein Bier bei den Iranern, aber für den Rest wurden schon ein paar Kästen zur Verfügung gestellt.

Übrigens wurde das Nowruz-Fest von der UNESCO als Weltmenschheitserbe anerkannt.

Dienstag, 16. März 2010

Die Schweden sind Weltmeister

Wie ich heute morgen im Radio hören durfte, sind die Schweden Weltmeister im Süßigkeiten essen. Danach verzehrt jeder Schwede pro Jahr 17 kg Süßigkeiten! Das sind 170 Tafeln Schokolade, also fast jeden zweiten Tag eine.

Doch wahrscheinlich essen sie weniger Schokolade, als viel mehr lösviktsgodis ("lose-Gewichts-Süßigkeiten", Süßigkeiten zum selber Aussuchen und Abwiegen). Davon gibt es in jedem Supermarkt riesige Regale, wo man sich aus hunderten Sorten so viel in seine Tüte schaufeln kann, wie man möchte.*

Bleibt die Frage, wohin die Schweden all die Kalorien stecken. So schrecklich übergewichtig sind hier nämlich die wenigsten. Vielleicht heißt das aber auch, daß man durchaus Süßigkeiten essen darf, wenn man sich nur ansonsten gesund ernährt und Sport macht, was die Schweden tun. Aber 170 kg?

*Als lösvikt gibt es in Schweden übrigens eine Menge Sachen zu kaufen: Nüsse und Trockenfrüchte zum Knabbern, Kaffee, Tee, Müsli, Hundefutter etc. Ich find's toll.

Sonntag, 14. März 2010

Schwedens Star für Oslo

Nachdem am Freitag der deutsche Beitrag für den Eurovision Song Contest 2010 feststand, haben gestern auch die Schweden ihren Vorentscheid gehabt. Oder besser gefeiert.

Hier läuft das ganze über Wochen unter dem Namen Melodifestivalen, und ganz Schweden ist aus dem Schwedenhäuschen. Es beginnt ca. Ende Januar mit regionalen Wettbewerben in verschiedenen Städten, was natürlich jedes Mal im Fernsehen übrtragen wird. Das Publikum entscheidet, wer letztlich ins Finale kommt. Selbiges fand gestern in der Globenarena statt. Wer nicht dort sein konnte, hat das ganze im Fernsehen verfolgt. Ich habe mir den Schluß angeschaut, um zu sehen, was hier bis Ende des Jahres im Radio laufen wird.

Die Abstimmung funktioniert übrigens wie beim großen Gand Prix: Es gibt Juries (statt Länder), die Punkte vergeben. Dann gibt es aber zusätzlich noch eine Publikumsabstimmung per Telefon und SMS, wobei die Stimmen der Zuschauer genauso viel zählen, wie die Punkte aller Juries zusammen.

Und so kam es, daß das Lied "This is my Life" von Anna Bergendahl gewonnen hat. Hier kann man sich das Lied anhören (ich hoffe, das funktioniert auch von außerhalb Schwedens):


Ich finde, daß Lied ist ganz ok, wenn auch nicht weltbewegend. Doch mit ihrem Musikgeschmack waren die Schweden ja noch immer recht erfolgreich dabei.

Übrigens ist die kleine Anna eine Gewinnerin von Pop Idol (Schweden sucht den Superstar) aus früheren Jahren.

Montag, 8. März 2010

Abenteuer auf dem Ostpolarmeer

Es wird Zeit von den Abenteuern des letzten Wochenendes zu berichten. Wie bereits erwähnt, ging es ja auf die Ålandinseln für einen Wochenendausflug, um das Eis auf der Ostsee zu sehen. Dafür hatte ich am Donnerstag die Fähre von Kapellskär nach Mariehamn mit der Vikinglinefähre Rosella gebucht. Am Freitagvormittag haben wir dann noch vorsichtshalber auf der Homepage nachgeschaut, ob es wegen des Eises auch keine Schwierigkeiten gibt. Doch dort stand nur, daß - wie bereits bekannt - die Fähren zum und vom finnischen Festland ausfielen.

Also ging es bei strahlendstem Sonnenschein nach Kapellskär, ca. 100 km östlich von Uppsala an der Ostseeküste. Dort angekommen, wurden wir von einer langen Schlange LKW begrüßt, die auf den letzten Kilometern der Autobahn auf der rechten Spur abgestellt waren und wegen der Fährausfälle dort warteten. Dagegen war am Check-in für unsere Fähre rein gar niemand außer einem Mann in einem Häuschen, der mir mitteilte: "Tut mir leid, die Fährverbindung ist wegen des Eises eingestellt. Ich hab ja versucht, Dich anzurufen, bin aber nicht durchgekommen. Versucht es doch bei der anderen Fährgesellschaft." Erstmal von wegen angerufen, ich hatte keinen Anruf auf meinem Handy. Also blieben 2 Möglichkeiten: umkehren oder mit der anderen Fähre fahren.

Wir haben uns dann doch für letztere Möglichkeit entschieden. Das heißt, ich habe bei Ekerölinjen angerufen und eine Passage für den gleichen Nachmittag von Grisslehamn nach Ekerö gebucht. Völlig problemlos, nur daß wir nochmal 60 km die Küste hochfahren mußten.

Enteisung des Schiffs-schnabels mit dem Pressluft-hammer.




Auf dieser Fähre waren dann tatsächlich 600 Passagiere, die die etwa 3stündige Überfahrt antraten. Das Schiff fuhr auch ganz planmäßig aus dem zugefrorenen Hafen heraus hinein in eine ganz dünne Eisfläche, was man sich etwa so vorstellen muß, wie wenn man durch eine mit Zuckerguß bedeckte Saftschüssel fährt. Das Geräusch war jedenfalls so: ein knuspriges leises Knistern. Später ging es auch noch durch durch das ein oder andere Eisschollenfeld. Ist schon irgendwie seltsam, wenn das Schiff merklich langsamer wird. Und das Geräusch ist ..., wie soll man sagen?... knusprig? Auf jeden Fall lauter als bei einer dünnen Eisfläche. Ansonsten verlief die Überfahr ohne weitere Zwischenfälle. Diese Strecke war jedenfalls völlig in Ordnung, was die Eislage betraf.














Unsere Ankunft auf den Ålandinseln fiel mit dem Sonnenuntergang zusammen, sodaß wir auf der Fahrt von Ekerö nach Mariehamn die Landschaft in den schönsten Farben bestaunen konnten. Wie ich ja bereits im August feststellen konnte, sind die Ålandinseln, die ja autonome Region aber Teil der finnischen Nation sind, augenscheinlich schwedischer als Schweden. Wer Schwedenidylle erleben möchte, sollte also nach Åland fahren.

Was ich allerdings nicht weiterempfehlen kann, ist unsere Unterkunft, die doch sehr an die Klassenfahrten meiner Jugend erinnerte. Überhaupt sind die Bürgersteige in der Hauptstadt Mariehamn an diesem Wochenende hochgeklappt gewesen, was wohl zum einen daran lag, daß Winter ist, und zum anderen daran, daß die fast stündlich anlegenden Fähren von Stockholm, Kapellskär und aus Finnland nicht fuhren. Unsere eigentlich gebuchte Fähre lag jedenfalls schlafend im Hafen. In Ermangelung eines Lottogewinns (Finnland ist teuer!), blieb uns also für diesen Abend nichts anderes übrig, als nicht in ein Restaurant zu gehen und nicht in einem schönen Hotelzimmer zu schlafen. Stattdessen ging es nach einem Spaziergang durch das bitterkalte Mariehamn und einem in der Mikrowelle zubereiteten Essen früh ins Bett.

Am nächsten Morgen weckte uns erneut der strahlende Wintersonnenschein. Für den Vormittag hatten wir uns einen Besuch des einzigen geöffneten Museums, des Ålandmuseums, eingeplant. Außerdem bummelten wir noch einmal durch die dieses Mal etwas hellere und bevölkertere Stadt.

Dann ging es aber los auf der Suche nach einer guten Skiroute und geeigneten Fotomotiven mit Inseln in gefrorener Ostsee. Es gibt zwar offensichtlich keine extra vorgefertigten Skirouten, aber es lag genug Schnee (etwa 40 cm), der auch schön festgefroren war, daß man auch ohne Loipen fahren konnte. Am schönsten war dann aber unsere Skitour über die zugefrorene Ostsee, obwohl das schon mit einem leicht mulmigen Gefühl einherging. Es gab zwar Spuren eines anderen Skifahrers, aber eine Garantie gibt einem natürlich keiner. Außerdem war der Schnee unter der obersten Schicht Schnee auch schon etwas matschig. Trotzdem wars toll. Wer kann schon behaupten, daß er mal auf der Ostsee skigelaufen ist? Ich :-)

Zum Abschluß des Tages haben wir dann noch eine kleine Skitour durch den Wald in einem Naturreservat bis zu einem Vogelbeobachtungsturm gemacht. Unterwegs habe ich sogar meinen ersten Seeadler gesehen. Leider nur von Weitem. Den Sonnenuntergang vom Turm aus zu betrachten war unglaublich schön. Doch zurück am Auto war ich dann doch ziemlich müde, sodaß ich nach einem leckeren Mikrowellenmahl auch gut schlafen konnte.

Am nächsten Morgen führte unser erster Weg zum Fährterminal, um zu fragen, ob denn die Fähre wieder fährt. Und tatsächlich: Sie fuhr wieder! Um 12:45 sollte es losgehen nach Kapellskär. An Bord waren vielleicht 100 Passagiere. Jedenfalls waren im Schiffsbauch nicht mal ein Viertel der Autos, die reinpassen, und das dann nur auf einem Deck. Die Überfahrt führte aus dem Hafen von Mariehamn heraus durch Felder unterschiedlich großer Eisschollen. Das Geräusch, das entsteht, wenn sich ein Schiff mit voller Fahrt durch Eisschollen arbeitet, ist schon eindrucksvoll. Nachdem wir die Inseln hinter uns gelassen hatten, wurde es auch etwas neblig, sodaß wir uns irgendwann durch eine endlose weiße Ebene aus Eis bewegten.


Weil es uns interessierte, wie schnell so ein Schiff durch Eis fahren kann, haben wir die Geschwindigkeit mit unserem Navigationssystem verfolgt. Auf dem offenen Wasser fuhr die Fähre ziemlich konstant 35 km/h, im Eis etwa 30 km/h. Irgendwann wurde das Eis aber immer dicker. Wir fuhren durch aufeinandergeschobene Schollen mit einer Dicke von 30 cm. Und die Fähre wurde langsamer. Die Fähre bog dann in eine von Eisbrechern freigebrochene Spur ein und tuckerte langsam mit 9 km/h vor sich hin. Doch plötzlich wurde sie noch langsamer und hielt schließlich an. Daraufhin gab es eine Durchsage von einer etwas verdatterten Dame aus dem Cockpit: "Wir stehen jetzt still. Das heißt aber nicht, daß wir festsitzen. Wir müssen nur einige Minuten warten, um ein anderes Schiff passieren zu lassen." Nach 5 Minuten ging es auch tatsächlich weiter, und wir erreichten Kapellskär mit 15 Minuten Verspätung. Das Andocken dauerte dann nochmal 20 Minuten, weil zwischen dem Schiff und dem Anleger so viel Eis steckte, daß die Ladeluken nicht bis zm Land reichten.

Bis auf die Rückfahrt nach Hause war das auch das Ende unseres Abenteuers auf der winterlichen Ostsee. Das erlebt man jedenfalls nicht alle Tage.

Nachtrag: Unser Geld für die Überfahrt mit Ekerölinjen bekommen wir übrigens von Vikingline zurück.

Freitag, 5. März 2010

Auf dem Weg ins unewige Eis

So, jetzt sind es nur noch ein paar Stunden, bis unsere Fähre auf die Ålandinseln abfährt. Die Sonne scheint seit 6 Uhr vom strahlend blauen Himmel. Ein perfekter Tag für eine Kreuzfahrt. Wollen wir hoffen, daß uns nicht sowas passiert. Immerhin waren auch zwi Fähren der gleichen Fährgesellschaft auf ihrem Weg nach Turku steckengeblieben. Das ist eine Strecke ganz in der Nähe, nur daß sie halt an den Inseln vorbei bis zum finnischen Festland geht. Aber eigentlich machen wir diesen Ausflug ja, um das Ostseeeis zu sehen. Mal sehen, ob wir am Sonntag Nachmittag wieder zurück sind.