Sonntag, 16. August 2009

Pancakes und ein Nachmittag auf der Suche nach Karl Johann

Bevor ich mich gleich wieder zurück an die Arbeit begebe, befielt mir mein ADS, mich mit bloggen abzulenken und von meinem gestrigen svensk helg zu berichten. Denn obwohl ich eigentlich massenhaft Arbeit habe und in die Uni fahren wollte, war der Tag zu schön, um ihn mit Karriereplänen zu verschwenden.

Das Wetter war einfach grandios, sodaß ich noch vor dem Frühstück eine Runde runter zum See und wieder zurück laufen mußte, um die Stille und die Sonne zu genießen. Dann gegen 10 gab es ein ausgedehntes Frühstück mit American pancakes, frischen Blaubeeren und allem, was dazugehört, draußen im Garten in der Sonne. Was kann es schöneres geben?

Für den Nachmittag war mushroom hunting angesetzt, sodaß es gegen 1 mit meinem Büromitbewohner, seiner Frau, meinen Gastgebern und noch zwei anderen Leute in den Wald ging. Dort sind wir geschlagene 4 Stunden rumgelaufen und haben nach Chantarellen (Pfifferlingen) und Karl Johann gesucht. Karl Johann ist übrigens ein guter Speisepilz. Es hat großen Spaß gemacht, auch wenn die meisten Pilze, die wir gefunden haben, nicht eßbar waren. Trotzdem hatten wir am Ende bestimmt mehr als 10 kg Pilze gesammelt, die natürlich auch alle geputzt werden mußten.

Also saßen wir, zurück in Haus und Garten, draußen auf der Terrasse und putzten zu dritt stundenlang Pilze, während die anderen das Abendessen vorbereiteten. Es gab selbstgemachte Burger vom Grill, Rindersteak und natürlich Pfifferlinge, so viel das Herz begehrte.

Heute und den Rest der Woche wird es bestimmt auch was mit Pilzen geben. Mushroom hunting ist auf jeden Fall ein großer Spaß. Der einzige Nachteil ist die Zeckengefahr: Ich hatte schon wieder 2! Wie ärgerlich! Aber es war trotzdem der schönste Tag der ganzen Woche.

Und jetzt wieder zurück an die Arbeit.

Donnerstag, 13. August 2009

Aller Anfang...

Also, ich muß mal rein philosophischerweise anmerken, daß ich Veränderungen im Leben grundsätzlich gut finde. Irgendwie ist es aufregend, wenn man einen gewissen Fortschritt bemerkt, bzw. wenn man das Gefühl hat, daß man Einfluß auf sein Schicksal hat. Soweit die Philosophie. In der Praxis finde ich Neuanfänge zwar aufregend, aber irgendwie auch sehr anstrengend. Ich denke, die wenigsten können mit so viel Selbstsicherheit an eine neue Lebenssituation herangehen, daß sie sich nicht wenigstens hin und wieder einschüchtern lassen.

In meinem Fall heißt das: Ich finde es toll, hier zu sein. Ich weiß, es war die richtige Entscheidung. Ich fühle mich willkommen und kann mich demnach nicht beklagen. Allerdings wünschte ich, ich wäre nicht in dieser seltsamen Anfangssituation, in der ich mich zwangsläufig befinden muß. Ich meine, ich bin überall die Neue, ich kenne mich noch nicht gut aus damit, wie viele Dinge hier laufen, wo sie laufen, was zutun ist und wie man mit bestimten Dingen umgeht. Das ist einfach Teil der Situation, und ich muß sagen, ich halte mich ganz gut, lasse mir meine Verunsicherung nicht unbedingt anmerken und versuche, offen an alles heranzugehen. Aber ich wünsche mir doch, daß sich bald eine gewisse Routine ergibt, die mir ein bißchen Sicherheit gibt.

Ein Anfang wäre echt, wenn ich bald meine personnummer bekäme, denn ohne die kann ich weder eingestellt werden, noch ein Bankkonto eröffnen. Ich bin einfach ein niemand. Allerdings will ich mich noch nciht beklagen, immerhin habe ich die Nummer erst letzten Dienstag beantragt, und das ist ja noch keine Zeit, besonders wenn man bedenkt, daß noch immer Urlaubszeit ist.

Und dann ist da noch ein zweiter (und der einzige weitere) Punkt, der mir Sorgen bereitet: die Wohnungssuche. Die Wohnungssituation hier ist wie in allen Universitätsstädten Schwedens eine Katastrophe. Es gibt einfach nicht genug Mietobjekte, um alle Leute aufzufangen. Hier ist es nicht so schlimm wie in Lund zum Beispiel, wo sie zum Semesteranfang ernsthaft Zelte für die Studenten zur Verfügung stellen wollen. Aber es ist auch hier nicht gerade einfach, etwas zu finden. Der größte online-Anzeigenmarkt blocket veröffentlicht täglich etwa 5 neue Wohnungsangebote für Uppsala, von denen ca. Zimmer für Studenten sind, eins ist einfach zu weit außerhalb und das andere wahrscheinlich absolut überteuert. Und so kommt es, daß die meisten mal ein paar Monate hier wohnen, dann ein paar Monate da. Mein Kollege, der mit mir momentan das Büro teilt, ist in dem Jahr, das er jetzt hier ist, schon 3 mal umgezogen. Und das scheint normal zu sein. Ich bin zwar erst seit ca. einer Woche auf der Suche, bin aber schon jetzt frustriert, denn man kann auch nichts anderes machen, als den Leuten, die die Anzeige aufgeben, Nachrichten zu schicken, und zu hoffen, daß sie einen interessant und passend finden und einen kontaktieren. Bisher hat mir nur eine Person geschrieben, und die Wohnung war viel zu teuer. Ich hoffe wirklich, daß ich bald was finde. Wie sonst, soll ich mich hier irgendwann zu Hause fühlen?

Ich will mich wirklich nicht beklagen. Mir gehts gut. Es gibt wirklich keinen Grund zur Panik. Ich denke, das gehört alles zu einem Neuanfang dazu.

Montag, 10. August 2009

svensk helg

Die Woche hat begonnen, dabei hätte das Wochenende noch wesentlich länger sein können. Das Wetter war so schön, daß ich kaum drinnen war. Von Samstag habe ich ja schon berichtet. Mein Sonntag war aber auch sehr schön und relativ schwedisch:

Nach einem gemütlichen Frühstück im Garten, habe ich mich mit dem Fahrrad zum See aufgemacht. Es gibt abgesehen von dem am Wochenende natürlich viel zu vollen Strand in Sunnasta (wo ich derzeit wohne) noch ein paar Strände entlang der östlichen Seeseite. Dorthin führen ein paar schöne Wanderpfade durch den Wald. Ich habe mir dort eine kleine Bucht gesucht und bin erstmal schwimmen gegangen. Das Wasser ist bestimmt 20°C warm, aber es war mir zu windig und mit den ganzen Booten zu wellig, um lange drinzubleiben. Also hab ich mir den Rest der Zeit damit vertrieben, ein paar Kapitel Eclypse zu lesen, Pilze zu sammeln und Blaubeeren zu pflücken, mich gegen Mücken zu wehren und Zecken von meinen Beinen zu wischen.

Gegen Abend kamen dann noch ein Kollege, der hier mit mir im Zimmer sitzt, und seine Frau zum Grillen vorbei. Die Schweden können zwar keine Bratwurst, auch wenn sie sie "Bratwurst" nennen, aber wir hatten finnisches Bier aus Dosen und GammelDansk, einen dänischen Bitter, was will man mehr? Da aber am nächsten Morgen (also heute) wieder Arbeit angesagt war, ging die ganze Sache nur bis halb 11, und ich hab danach geschlafen wie ein Stein.

Nun ist meine zweite Woche hier angebrochen, eine Woche, von der ich mir ein bißchen mehr Action verspreche. Hab heute schon eine Einführung in die Probenaufbereitung bekommen, mit meinem Chef zu Mittag gegessen und für morgen ein Treffen mit meinen beiden Chefs ausgemacht, um mein Projekt zu besprechen. Ich gucke auch weiterhin nach Wohnungen und warte auf meine personnummer. Mal sehen, was noch so passiert.

Samstag, 8. August 2009

Eine Woche Uppsala

So, meine erste Woche ist bis auf das Wochenende rum, und ich wollte die Gelegenheit nutzen, ein paar generelle Beobachtungen meines Starts hier zusammenzufassen. Bin auch extra außerhalb der Arbeitszeiten ins Institut geradelt, um mein Privatkommunikation zu machen.

Also, mein Start hier war so gut, wie er nur sein konnte. Ich bin hier mitten in den Sommerferien gelandet, was Vor- und Nachteile hat. Nachteile sind, daß ganz Schweden im Urlaub ist. Also geht alles etwas langsamer, z.B. Einstellungen, Verwaltungssachen usw. Es gibt deshalb auch kaum Wohnungsangebote. Aber dazu bei Gelegenheit mehr. Vorteil ist, daß ich die vielen Leute hier am Institut langsam und in verarbeitbaren Anzahlen kennenlernen kann. So gab es zwar eine Menge neuer Leute, aber ich wurde nicht überrannt. Überhaupt sind alle hier sehr freundlich. Es gibt sehr viele Nicht-Schweden, darunter auch bemerkenswert viele Deutsche, während echte Schweden eher in der Minderheit sind. Ansonsten wissen natürlich alle, wie es ist, neu hierherzukommen, was eine enorme Hilfe ist. Man kann immer jemanden Fragen, wenn man etwas wissen will.

Das Wetter ist bisher ein Traum, weshalb ich auch die Mütze, die Sera mir gestrickt hat, noch nicht aufsetzen konnte. Es ist jeden Tag sonnig bis etwa 25°C, nur gestern hat es mal für 1 Stunde geregnet. So kann ich auch jeden Tag mit dem Fahrrad fahren, was bei dem Wetter sehr schön ist, zumal ich auch noch nicht rausgefunden habe, wie man mit seinem Handy Bustickets kaufen kann.

Zum Thema Handy: Vorhin war ich in der Stadt und habe mir eine schwedische Prepaid-Karte gekauft. Ich muß sie nur noch aktivieren und bin dann auch hier mobil... So, fertig. Das war einfach.

Den Rest des Wochenendes wollte ich mich dann noch etwas ausruhen, Pilze sammeln, vielleicht im See schwimmen, auf jeden Fall den Sommer genießen, solange er noch da ist. Nächste Woche wird dann ernsthaft gearbeitet, Wohnung gesucht und mein Email-Problem gelöst (ich kann immernoch nicht schicken). Also, soweit meine Woche.

Mittwoch, 5. August 2009

fika

fika ist ein Kunstwort, gebastelt aus der Verdrehung der Silben des Wortes kafi, also Kaffee. fika bezeichnet die Kaffeepause, die jeden Nachmittag wohl in jedem schwedischen Unternehmen stattfindet und der man sich nur schwerlich entziehen kann. Gerade bin ich vom fika im Innenhof bei gefühlten 45°C zurückgekommen. Jetzt heißt es nochmal ein bißchen arbeiten, bis ich mich dann gegen halb 6 bereitmache zum Fußball. Heute haben sich nämlich ein paar Kollegen hier verabredet, um aus Spaß etwas zu kicken. Mal sehen, wie das so wird und ob man sich vor Hitze überhaupt wird bewegen können.

Dienstag, 4. August 2009

Välkommen

So, endlich habe ich einen Schreibtisch und Internet. Ich bin so froh, denn in der Zwischenzeit sind so viele Dinge passiert, daß ich fürchte, ich komme gar nicht hinterher mit bloggen. Deshalb hier eine Kurzfassung der Ereignisse von gestern und heute:

Gestern morgen ging es mit dem Auto zum Bahnhof, mit dem Metronom nach Hannover, mit der S-Bahn zum Flughafen, mit dem Flugzeug nach Arlanda, mit dem Bus nach Uppsala und zu Fuß zum Institut, und das alles in nur 8 Stunden. Hier angekommen - völlig am Ende von meinem Fußmarsch mit Gepäck durch die Stadt bei gefühlten 35°C -stand ich erst einmal vor verschlossenen Türen. In der vorlesungsfreien Zeit kommt man hier nämlich nur mit Karte rein. Zum Glück kam gerade jemand, der mir die Außentür öffnete. Vor dem Abteilungsflur hatte ich dann aber das gleiche Problem noch einmal, denn auch der ist nur mit Karte oder Code zu öffnen. Aber auch hier habe ich jemanden gefunden, der mich reingelassen hat.

Da mein zukünftiger Chef leider auch gerade nicht da war, wandte ich mich an die junge Dame, die meinen Besuch im Mai organisiert hatte. Und siehe da, nach 20 Minuten hatte ich einen Schlüssel und eine Schlüsselkarte. Dann tauchte nach nicht allzu langer Zeit auch der Chef auf. Nach einer kleinen Vorbesprechung, was denn in meinem Gastaufenthalt hier so ablaufen soll, eröffnete er mir, daß seine Unterkunftspläne leider zunichte gemacht worden waren: Er hätte das Appartment mindestens 1 Jahr mieten müssen, und das wollte er dann doch nicht unterschreiben. Verständlich. Also bin ich vorerst bei Kollegen einquartiert, die wohl öfter als Startpunkt für Neuankömmlinge fungieren.

Meine Gastgeber sind zufällig auch Deutsche und wohnen südlich von Uppsala nahe dem großen See in einem großen Haus mit Garten. Ich habe ein Zimmer mit 2 Betten, Schrank und Schreibtisch. Was will man mehr? Zufällig sammelt mein Gastgeber leidenschaftlich gern alte Fahrräder, sodaß ich auch eins geliehen bekommen habe: ein lila Damenfahrrad mit Körbchen. Damit sind wir dann zum Einkaufszentrum im nächsten Ortsteil geradelt und haben eingekauft. Irgendwann nach dem Abendessen habe ich es dann auch geschafft, meine Sachen auszupacken, zu duschen und todmüde ins Bett zu fallen.

Der heutige Tag begann mit Frühstück im Garten, dann 30 Minuten radeln, dann Gespräch mit dem Chef, Kaffee, Mittagessen in der Sonne im Innenhof usw. Auf jeden Fall durfte ich, nachdem kein Netzwerkadministrator aufzutreiben war (alle sind im Urlaub), meinen Rechner einfach ans Netz hängen, nachdem ich versichert hatte, ein aktuelles Vireprogramm zu haben. Und siehe da: es ging einfach so. Fehlt nur noch der Drucker. Bis auf ein kleines Problem: Ich kann aus meinem Foxmail keine Mails nach draußen versenden. Weiß da jemand Rat?

Ansonsten habe ich mich dann heute Nachmittag noch auf den Weg zum Skatteverket begeben, dem Einwohnermeldeamt/Finanzamt/Krankenkasse. Dort habe ich mit Pass und meiner vorläugigen Adresse einen Personnummer beantragt, eine Art Bürgernummer, ohne die hier gar nichts geht. Man stelle sich vor, die haben sogar Übersetzungen für die Formulare auf deutsch! So weit ist man in Deutschland noch nicht. 1:0 für Schweden würde ich sagen. Jedenfalls warte ich jetzt auf Post vom Skatteverket.

So weit erstmal bis hierher. Kurzfassung: Ich lebe noch, es geht mir gut, Schweden ist schön.

Sonntag, 2. August 2009

Die Koffer sind gepackt

oder besser gesagt, der Rucksack.

Das wird wohl erst einmal mein letzter Post aus Deutschland gewesen sein bis auf Weiteres. Heute Vormittag hab ich meine Sachen fertiggepackt und die Wohnung aufgeräumt. Morgen früh gehts los.Ich melde mich.