Für alle Eingeweihten: Ich bin wieder da. Nach meinem 2tägigen Vorstellungstrip nach Uppsala, bin ich gestern Abend wiedergekommen. Und: Der Besuch an der Universität war ein voller Erfolg! Mein Vortrag im Seminar ist sehr gut angekommen und hat viele (freundliche) Diskussionen ausgelöst. Das Institut ist sehr hübsch mit Innenhof, der aussieht wie ein Café und großem Kaffeeautomaten, wo kostenloser Kaffee rauskommt ;-)
Mein Gespräch mit dem Leiter des Instituts ist auch sehr gut verlaufen. Ich will zwar noch keine ungelegten Eier braten, aber: Sie wollen unbedingt, daß ich dorthin gehe! Es gibt nur noch kleine administrative Hürden, aber sie haben echtes Interesse daran, mich zu halten. Deshalb gehe ich Ende Juli/Anfang August auch erst einmal für 6 Wochen als Gastwissenschaftlerin nach Uppsala!
Ich freu mich so. Es ist fast zu schön, um wahr zu sein. Zudem hat sich die Stadt auch in schönstem Frühlingssonnenschein präsentiert: strahlend blauer Himmel, Kirschblüten und die letzten Osterglocken. Nochmal Frühling für mich.
Noch ein ganz supertolles Geschenk, das ich von meinen Freunden zum Doktor bekommen habe: Ein T-Shirt von geoshirt.de mit der Aufschrift "magma cum laude". Meins ist rot mit schwarzer Aufschrift und noch viiiiel schöner als das auf dem Bild.
geoshirt.de vertreibt textilien mit Sprüchen und Bildern mit geowissenschaftlichem Hintergrund und wurde vom frisep e.V. initiiert, der sich für Öffentlichkeitsarbeit für Geo- und Montanwissenschaften einsetzt und dessen website offensichtlich leider nicht mehr existiert. Stattdessen kann man sich beim Netzwerk Geowissenschaftliche Öffentlichkeitsarbeit informieren, übrigens eine sehr interessante Seite für Neuigkeiten in dieser Richtung.
…habe ich von meinen Eltern bekommen. Aber fangen wir am Anfang an. Ich habe in den letzten Wochen und Monaten nach einer schönen Handtasche gesucht, ohne so richtig zu wissen, wie sie aussehen soll. Als ich dann letzten Monat in Heidelberg war, saß ich mit meiner Freundin im Eiscafé und habe Leute mit ihren Handtaschen beobachtet. Es ist erstaunlich, wie gut die Leute zu ihren Handtaschen passen. Auf jeden Fall haben wir viele Taschen gesehen, die nicht zu mir passen. Doch auf einmal lief sie vorbei: die Queen, oder wenigstens eine alte Dame mit königlicher Haltung und einer winzigen Doktortasche. Und da wußte ich es: ich will eine Doktortasche. Als ich dann bei meiner Schwester in Dresden war, habe ich im Internet nach Doktortaschen gesucht, aber Fehlanzeige! Zu 98% waren die Taschen häßlich, die restlichen 2% waren unerschwinglich. Also wurde das Projekt Doktortasche erst einmal auf Eis gelegt.
Nun haben mir meine Eltern eine geschenkt (und sie hatten sie schon, bevor ich bei meiner Schwester nach einer gesucht habe) …und nicht irgendeine. Hier also das Geschenk:
Zunächst einmal die Doktortasche, sehr schön, aus echtem Leder und perfekt geschnitten. Doch dazu der Inhalt: auf einem Zettel, den ich im Inneren gefunden habe, stand Folgendes: „Was der Doktor von heute so alles braucht! In dieser Tasche findest du ein paar Utensilien, die du vielleicht einmal als Doktor brauchen kannst. Erst einmal ein Türschild, damit Du weißt, wo Du wohnst. Dann ein Stethoskop, damit du auch die Flöhe husten hören kannst oder wenn du mal jemanden abhören möchtest. Dann deine tägliche Rätseldosis, damit du deine Gehirnzellen etwas anregen kannst. Auch noch 1000 Tipps zum Kochen, weil ich keinen Original-Rezeptblock bekommen habe. Und ein Schreibset mit Namen, damit du weißt, daß das deine Stifte sind.“ Ein echt tolles und superkreatives Geschenk!
Am Freitag hatte das Warten und Vorbereiten nun ein Ende: der große Tag der Verkündung meines Doktortitels war gekommen. Und das läuft in Göttingen mit allerhand Pomp und Tradition ab.
Den Anfang bildet sie offizielle Verabschiedungsfeier der Doktoranden der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten in der Aula der Georgia Augusta (Georg-August-Universität), bei der dieses Mal etwa 60 Absolventen die Doktorwürde verliehen wurde. Nach kurzen Reden des Vizepräsidenten und der Dekanin der Chemie werden alle Doktoranden einzeln mit Namen und Titel der Arbeit auf die Bühne gebeten. Es wird gratuliert und man bekommt… Nein, nicht das Zeugnis! Stattdessen gibt’s einen formschönen Zettel vom Prüfungsamt und ein Heftchen mit einer Rede von Jakob Grimm (einem der Gebrüder Grimm, die ja beide auch in Göttingen studiert haben). Der Zettel enthält eine Liste von Dingen, die man tun muß, um irgendwann seine Doktorurkunde bekommen zu können. Soweit das Pflichtprogram.
Zur gleichen Zeit an anderer Stelle, nämlich in der Norduni vor meiner Fakultät: Meine Mitdoktoranden und Freunde beginnen, den Doktorwagen (einen geschmückten, zweiachsigen Anhänger mit einem Sofa oben drauf) zum Wilhelmsplatz vor die Aula zu ziehen, wo sie während der Zeremonie im Inneren auf mich warteten. Der Williplatz ist also voller wartender Menschen und bunt geschmückter Doktorwagen.
An dieser Stelle vereinen sich die Handlungsstränge, als ich die Aula verlasse. Auf der Treppe werde ich von meiner Freundin abgeholt, die mir den Doktorhut* aufsetzt.
* Doktorhut: in Göttingen basteln die Mitdoktoranden einen lustigen Doktorhut mit allerlei Krimskrams, das mit dem frisch gebackenen Doktor und seiner Arbeit zutun hat. Meiner hat obendrauf einen Vulkan mit großer Rauchwolke, einem Sandstrand (weil ich ja Sand sammle), einer Pilzwiese (weil ich im Gelände gern Pilze sammle), ein paar Lego-Katzen (für meine Raubtiere), einer Fahne, auf der steht „Stop stoping now“, und einer, auf der steht „stoping forever“ (weil meine Arbeit u.a. davon handelte und ich in der Verteidigung ziemlich intensiv dazu ausgefragt wurde). Ich finde den Hut großartig, auch wenn ich dadurch Knickohren hatte.
Ausgestattet mit dem Hut, gibt es vor dem Doktorwagen erst einmal Sekt und Gratulationen von allen, bevor es zum Gänseliesel* geht.
* Gänseliesel: Brunnen im Jugenstil mit einem kleinen Mädchen mit einem Korb und einer Gans im Arm, der seit 1909 auf dem Rathausplatz in Göttingen steht und das Wahrzeichen der Stadt ist. Durften ursprünglich alle Anfänger das Liesel küssen, wurde dieser Brauch aufgrund zu großen Andrangs verboten. Übrig geblieben ist die Tradition nur für die frisch gebackenen Doktoren.
Und damit geht auch meine Geschichte weiter. Am Gänseliesel angekommen, finde ich mich recht weit vorn in der Schlange der mit Doktorhut angetanen Doktoren. Ich erinnere mich daran, daß ich dort stehe und überlege, wo ich denn am besten an diesem Brunnen hochklettern soll. Das Küssen des Liesels ist nämlich nur die Hälfte; zuerst muß man nämlich seinen Blumenstrauß an den Brunnen stecken, ohne den Hut zu verlieren, ohne andere Sträuße runterzuwerfen und am besten zu hoch wie möglich. Da ich die ganze Sache zuvor schon mehrfach beobachtet habe, habe ich natürlich passende Schuhe angezogen, während ich auf dem Doktorwagen saß. Das Erklettern des Brunnens ist deshalb nicht so schwierig, wie ich vorher dachte. Die große Schwierigkeit ist, den Hut aufzubehalten und an die Wange des winzigen Gänseliesels heranzukommen. Sie hat eine ganz schön kühle Wange, dafür daß sie angeblich das meist geküßte Mädchen der Welt ist.
Dann geht es mit dem Wagen hoch zur Fakultät, wo die eigentliche Doktorparty startet – mit vielen Freunden, Kollegen, Familie und Würstchen… und einem zweiten Doktorhut. Tatsächlich haben meine älteste Freundin und eine andere Freundin, die gerade in Madagaskar ist, unabhängig von dem ersten, offiziellen Hut einen zweiten gebastelt mit vielen Fotos von meinen Freunden, Wegweisern und Fotos von Stationen meines Lebens und… einem Vulkan mit großer Wattewolke! Was für ein Zufall!
Zur Party gibt es nur zu sagen: Es war toll! Vor allem, daß so viele verschiedene Leute da waren: Schulfreunde, Kollegen, Freunde aus meinem Studium, meine Eltern, meine Kollegen, mein Doktorvater, Leute, mit denen ich in Chile war und mit denen ich meinen Spanischkurs gemacht habe. Das war ein würdiger Abschluß dieses Lebensabschnitts, und ich kann nur allen danken, die – teilweise von weit her - gekommen sind. Ich habe mich sehr gefreut!
P.S.: Ein großes Dankeschön an Bernhard und Micha für die Fotos!
Nun sieh sich einer dieses Wetter an: Schauer und 13°C. Wohin ist der sommerlich Frühling verschwunden? Vor allem warum ist er weg, wenn man auf ihn angewiesen ist? Ich habe keine Lust, eine Grillparty im Regen zu feiern. Und was noch viel wichtiger ist: Ich habe keine Lust im Regen vom Gänseliesel zu fallen. Das wird nämlich bei Regen schnell mal rutschig.
Na ja, der Wetterbericht verspricht Besserung, wenigstens was die Temperaturen betrifft. Denn leider soll es zusätzlich zur Wiederkehr der Sonne auch Gewitter geben. Und auf dem Gänseliesel vom Bitz getroffen zu werden, wäre definitiv nicht das Ende, das ich mir wünschen würde.
Also, liebes Geowetter, hol den Frühling zurück. Er wird gebraucht!
Es ist soweit: Die Planung der Doktorparty ist angelaufen bzw. in vollem Gange. Dank Sera habe ich auch eine sehr schöne Einladung dafür. Jetzt bin ich dabei, sie zu verschicken und zu planen, wieviele Leute kommen, was einzukaufen ist etc. Wenigstens die Lokation ist schonmal angemeldet. Fehlt nur noch der Grill, das Essen, die Leute und das schöne Wetter.
Eigentlich ist dies ein Nachtrag zur letzten Woche, die ich im Gelände in Südschweden verbracht habe. Leider gabs in der (sehr idyllischen) Unterkunft kein Internet, sodaß ich erst jetzt schreiben kann.
So wie ich es mitbekommen habe, war das Wetter in der letzten Woche in Deutschland eher mittelmäßig. In Schweden habe ich dafür nochmal den Frühling erlebt. Sieht so aus, als würde der für mich dieses Jahr gar nicht mehr aufhören. Wollen wir es zumindest hoffen, denn Ende nächster Woche gebe ich eine Party, die eigentlich im Freien stattfinden soll.