Donnerstag, 2. April 2009

Wissensverdauung

Man stelle sich vor, es existiert ein geheimer Tunnel zwischen den Kanarischen Inseln und dem Atlas in Nord-Afrika. Zumindest könnte man das auf dem ersten Blick so verstehen, wenn man am 27. März bei Spiegel Online in der Rubrik Wissenschaft die Artikel flüchtig gescannt hätte. Dort wurde unter der Überschrift "Geoforscher vermuten Lava-Tunnel zwischen Kanaren und Afrika" die Essenz eines neulich im renomierten Fachblatt Geology erschienenen Artikels zusammengefaßt.
Dieser von Mineralogen vom IFM Geomar in Kiel veröffentlichte Artikel zeigt eine Übereinstimmung in der Zusammensetzung von kanarischen Vulkaniten mit Gesteinen aus dem Atlas, was den Schluß nahelegt, daß beide ähnlichen Ursprungs sind. Nun gut, die Idee ist durchaus nicht neu, aber schön, daß sie weiter untersucht und offesichtlich bestätigt worden ist. Besorgniserregend finde ich nur den Gedanken, was Pseudo-Bildungsmedien wie Galileo daraus machen, wenn sie denn in nächster Zeit auf die Meldung aufmerksam werden. Vorstellbar wäre ein Galileo Mystery zum Thema "Geheime Tunnel im Erdinneren - Hatte Jules Verne doch recht?"
Und was wird erst die Bild schreiben, wenn sie noch Platz auf der Rückseite hat? Vielleicht etwas wie: "Flüchtlingsstrom aus Afrika bald nicht mehr zu stoppen. Kieler Forscher finden geheime Tunnelverbindung zwischen Marokko und den Kanarischen Inseln. Spanischer Minister fürchtet: "Der Flüchtlingsansturm aus Afrika könnte uns endgültig überrollen!" Experten sollen Tunnel jetzt sperren."

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