Sonntag, 14. Oktober 2012

Faul, routiniert oder einfach beschäftigt?

In ziemlich genau 3 Tagen werde ich in einem Flugzeug Richtung Südafrika sitzen, um dort ein paar Tage Urlaub zu machen und anschließend an einer Tagung teilzunehmen. Das wird meine zweite Reise auf einen anderen Kontinent. 
 
Das erste mal war die Reise nach Chile vor 4 Jahren. Damals war ich sehr aufgeregt und habe schon Wochen vorher den groben Ablauf geplant, eine Liste gemacht, Ausrüstung eingelauft und sogar gepackt. Und die Chilereise war wirklich Wahnsinn. Alles, was im Vorhinein geplant war, hat geklappt, und selbst die Dinge, die vor Ort organisiert werden mußten (z.B. Busse, Unterkünfte und sogar ein Inladsflug), haben keine Komplikationen verursacht.
Am Vulkan Parinacota auf dem chilenischen Altiplano.
4 Jahre später ist die große Aufregung irgendwie abhanden gekommen. Die Flüge (über München nach Johannesburg) sind seit ungefähr 6 Wochen gebucht. Aber erst heute hab ich mit dem Packen angefangen. Es gibt auch einen groben Plan, wann es wohin geht, aber der wurde erst heute vollendet. Seit dem letzten Wochenende ist der Mietwagen gebucht, aber die Unterkünfte, die man in Südafrika vorbuchen muß, sind erst seit heute Mittag und das auch nur zur Hälfte gebucht. Für die andere Hälfte fehlen noch die Antworten von den jeweiligen Hotels/Camps/etc. Zu allem Überfluß muß ich für die Tagung auch noch einen kompletten Vortrag vorbereiten.

Na ja, all das wird sich schon ergeben, bis es am Mittwoch Nachmittag losgeht. Ich bin eher etwas erstaunt darüber, wie unaufgeregt ich dieser Reise entgegensehe. Man könnte es auch routiniert nennen nach so vielen Reisen oder aber faul. Oder ich rede mich damit raus, daß mir eigentlich gar nicht nach reisen zumute ist mit all den Umzugsplänen und den vielen Dingen, die sich in der Zwischenzeit auf Arbeit auftürmen. Aber vielleicht ist es da umso besser, mal rauszukommen.

Also hier noch ein letztes Foto von Chile, bevor es demnächst welche aus Südafrika gibt.
Lamas grasen auf über 3500 m Höhe. Im Hintergrund der Vulkan Llullaillaco.

Samstag, 13. Oktober 2012

Dreisprachig leben und arbeiten

Wenn man sich im Fernsehen Auswanderersendungen anschaut, kann man eines schnell feststellen: wer erfolgreich in einem fremden Land leben und arbeiten will, muß die Landessprache lernen. Völlig ohne Sprachkenntnise in ein anderes Land zu ziehen und zu erwarten, daß man sich mit englisch oder gar deutsch durchschlagen kann, ist außer im englisch- und deutschssprachigen Ausland einfach nur illusorisch. Spätestens wenn man wirklich ein Teil der Kultur des Landes werden möchte, kommt man um das Lernen der Sprache nicht herum.

In Schweden ist es zunächst leicht, mit englisch über die Runden zu kommen. Die meisten Skandinavier sprechen hervorragend englisch und wechseln sofort ins Englische, wenn sie bemerken, daß sie es mit einem Nichtschweden zutun haben. Und in einem Einwandererland wie Schweden können selbst die Ämter mit fremdsprachigen Formularen und Übersetzungen aufwarten. Dennoch wird erwartet, daß man nach der Ankunft so schnell wie möglich schwedisch lernt, um sich in den Arbeitsmarkt integrieren zu können.

Da ich nach Schweden gezogen bin, weil ich einen Job angeboten bekommen hatte, fiel diese Art von Motivation für mich weg. Zudem war dieser Job an der Uni, die per Definition ein Subuniversum darstellt, in dem es multikulturell zugeht und englisch gesprochen wird. Tatsächlich sind bei mir auf Arbeit nur die Sekretärinnen wirklich schwedisch. In meiner Abteilung haben wir nur noch eine festangestellte Schwedin, und von den ca. 15 Doktoranden sind auch nur 3 schwedisch. Das heißt, meine Arbeitssprache in der Wissenschaft ist englisch. Am Institut und in der Abteilung gibt es auch eine beträchtliche Anzahl an Deutschen. Mit denen rede ich natürlich deutsch, allerdings nur wenn niemand in der Nähe ist, der nicht deutsch spricht. Dann wird schonmal mitten im Satz die Sprache gewechselt. Und zu Hause wird natürlich auch deutsch gesprochen.

Seit Neuestem bin ich ja am Arbeitsplatz auch eine gespaltene Persönlichkeit: zu 65% bin ich Wissenschaftlerin, zu 20% Lehrerin und zu 15% arbeite ich in der Institutsleitung. Meine neuen Pflichten in der Institutsleitung erledige ich zu 95% auf schwedisch. Das bedeutet, ich sitze in Meetings, rede mit den mir unterstellen technischen Mitarbeitern und kommuniziere mit der Univerwaltung und das alles auf schwedisch. Das ist manchmal gar nicht so einfach, aber mein Schwedisch ist schon viel besser geworden, weil ich eben dazu gezwungen bin, zu sprechen und zu schreiben. Da zahlt es sich doch aus, daß ich weiter Unterricht genommen habe. Selber unterrichte ich weiterhin auf englisch. Da fühle ich mich irgendwie nicht sicher genug mit meinem Schwedisch, zumal ich die ganzen Fachworte auf schwedisch auch gar nicht kann. Aber wenn die Studenten auf schwedisch fragen, verstehe ich das schon. Also sind die Sprachen da etwas vermischt.

Ansonsten hilft es natürlich auch im Alltag, einigermaßen schwedisch sprechen zu können, wenn es zum Beispiel um den Schwatz mit meiner Friseurin oder den Hauskauf geht. Und vielleicht kann man sich ja tatsächlich mit den neuen Nachbarn anfreunden. Wer weiß?

P.S.: In welcher Sprache ich träume, weiß ich gar nicht. Da muß ich heute Nacht mal drauf achten.

Montag, 8. Oktober 2012

Dinos, Schnittchen & kaltes Rentier

Es ist Herbst, Zeit für die jährliche Herbstparty auf Arbeit. Dieses Jahr gab es am Nachmittag davor außerdem eine Infoveranstaltung, bei der der Institutsleiter, der neue Studentenaustauschkoordinator, die Chefin der Verwaltung usw. die Mitarbeiter über neue Entwicklungen informiert haben. Dann gab es Schnittchen im umgestalteten Foyer, in dem seit Neuestem ein Ichtyosaurusskelett hängt.
Das Ichtyosaurusskelett im Foyer des Instituts.
 Außerdem wurde die neu gestaltete Bibliothek mit einer Schnitzeljagd eingeweiht. Die Forschungsabteilungen zeigten zudem neu angeschafte Ausrüstung.


Die Abteilung Luft, Wasser und Landschaftslehre lassen einen Wetterbalon steigen.
Am Abend gab es dann ein 3-Gänge-Menu für die Angestellten im Gebäude von einer der Studentenverbindungen, eine gute Gelegenheit, sich mit Kollegen zu unterhalten, zumal das Essen auch ziemlich lange auf sich warten ließ. Zwischen Vorspeise und Hauptgang verging mindestens eine Stunde. Und leider war das Rentier auch noch kalt. Es ist aber auch schwierig, 110 Leuten gleichzeitig etwas Warmes vorzusetzen. Na ja, ich will mich nicht beklagen. Ein Herbstdinner auf Kosten des Arbeitgebers gibt es an deutschen Unis nicht.

Sonntag, 7. Oktober 2012

3jähriges Schwedenhaus-Jubiläum

Jetzt Anfang Oktober sind es 3 Jahre her, seit ich in unser jetziges Zuhause eingezogen bin. Eine ganz schön lange Zeit! Das diesjährige Jubiläum ist aber auch ein ganz besonderes, weil der Mietvertrag gekündigt ist und wir Ende des Jahres ausgezogen sein werden. Das ist schon ein komisches Gefühl, weil das Leben in einem Häuschen auf dem Lande auch einen großen Einfluß auf unseren Lebenstil hier hat. Der wird sich zwar in unserem neuen Haus auch nicht ändern, aber viele Hobbies haben sich hier in unserem Schwedenhaus entwickelt. Zum Beispiel das Ciderbrauen und das Schneeschippen.
 
Da stellt sich natürlich die Frage, warum wir von hier wegziehen oder nicht gar das Haus gekauft haben, in dem wir jetzt wohnen. Ich glaube, ich habe bereits erwähnt, daß das Haus nicht nur zu klein und unmodern ist (nur ein winziges Bad, völlig überholte Stromleitungen etc.), sondern daß unser Vermieter auch in den 3 Jahren, in denen wir das Haus mieten sowie auch in vielen Jahren zuvor nichts am Haus gemacht hat. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis mal etwas Größeres kaputtgeht. Und bei der Art und Weise, wie sich unser Vermieter bisher verhalten hat, wenn mal eine kleinere Reparatur anstand, möchten wir dann möglichst nicht mehr hier wohnen.

Das 3jährige Jubiläum ist also zu Recht das letzte.


Sonntag, 30. September 2012

Neues Semester, neue Verantwortung - Teil 2

Es ist Sonntag Nachmittag. Die Woche ist vorbei und der September auch. Ein ganz schön ereignisreicher Monat: fast 3 Wochen Vollzeit unterrichtet, Haus gekauft und mal eben in die Institutsleitung eingestiegen. Das bedeutete eine Menge Arbeit und leider wenig Zeit für Wissenschaft. Doch jetzt am Ende des Septembers bin ich ganz zufrieden damit, wie alles geklappt hat: Die Lehre hat dank motivierter Studenten und guten Wetters Spaß gemacht. Ich habe langsam einen Überblick, was meine neuen Aufgaben in der Institutsleitung sind, und hab auch schon angefangen, an den großen Problemen zu arbeiten. Und daß wir endlich ein Haus gefunden haben, ist ein echter Lichtblick.

So gesehen, war der September zwar ein stressiger, aber produktiver Monat!

Der Oktober wird wahrscheinlich nicht weniger spannend, wenn auch hoffentlich weniger stressig: Termine mit Maklerin und Bank, 12 Stunden Unterricht über Fernerkundung, die ich auch noch fertig vorbereiten muß, und zu guter Letzt eine Tagung und ein paar Tage Urlaub in Südafrika. Ich freu mich schon.

Donnerstag, 13. September 2012

Hauskauf Level 4

Heute haben wir den Kaufvertrag für unser Haus unterschrieben. Während eines Treffens im Maklerbüro hat unsere Maklerin uns und den jetzigen Hausbesitzern den Kaufvertrag und die dazugehörigen Anlagen im einzelnen vorgelesen. Anschließend mußten wir jede einzelne Seite unterschreiben. Jetzt haben wir einen ganzen Ordner mit Hauskaufunterlagen.

Die jetzigen Besitzer sind ein junges Pärchen mit 2 kleinen Kindern, nett und bodenständig. Er scheint handwerklich begabt zu sein, denn er baut am eigenen Haus.

Wir dürfen am 3. Dezember einziehen, doch freundlicherweise dürfen wir vorher schon mal vorbeischauen, um die Zimmer auszumessen und ein paar Erklärungen für die Heizungsanlage zu bekommen.

Als nächstes muß ich den Mietvertrag für unser jetziges Haus kündigen und mit der Bank einen Termin ausmachen. Die Bank wird sich dann auch um den Grundbucheintrag kümmern. Auf jeden Fall haben wir heute schonmal die Anzahlung an die Maklerin überwiesen.

Auch wenn ich seit Ende letzten Jahres Häuser im Internet angeschaut habe und wir seit April 5 Häuser besichtigt haben, fühlt es sich so an, als wäre es jetzt schnell gegangen. Man kauft ja auch nicht jeden Tag ein Haus.

Mittwoch, 12. September 2012

Hauskauf Level 3,5

Hier kommt die Fortsetzung des Hauskaufkrimis:

Kurz vor 12 heute Mittag kam dann doch die SMS mit einem neuen Gebot der anderen Interessenten - der größte Schritt bisher: 50000 Kronen! Sobald die Studenten "umgetopft", also an die nächste Stelle für die Arbeit nach der Mittagspause gefahren waren, hab ich versucht, die Maklerin, Ulrika, anzurufen. Leider war der Empfang mittelmäßig, was erstmal Nerven gekostet hat. Da alte Handies aber zum Glück weniger anfällig für Empfangsprobleme sind, konnte ich dann doch unser neues Gebot abgeben - auch 50000 Kronen. Bei dieser Gelegenheit habe ich die Maklerin erstmal zum Verhalten der Gegenpartei befragt. Sie meinte, sie hätte sie am Abend zuvor doch noch erreicht, und sie hätten sich mehr Bedenkzeit erbeten. Die dauerte dann tatsächlich bis heute kurz vor Mittag an, was laut Maklerin den Eindruck erweckte, daß die beiden langsam anfängen unsicher zu werden. Und sowieso hätten sie auch noch nicht sämtliche Papiere zusammen. Das bestätigte eigentlich, was wir uns schon so gedacht hatten, weshalb wir uns bemüht hatten, nicht zu kleine Schritte beim Bieten zu machen und nicht lange zu zögern.

Auf jeden Fall hieß es erstmal warten, weil Ulrika erstmal Mittagspause gemacht hat. Unser Gebot wurde deshalb erst kurz nach 13 Uhr an alle beteiligten Parteien gesimst. Als eigentliche Handlung zwischen den Telefonaten stelle man sich Lehraktivität im Gelände vor: mit Studenten durch die Pampa laufen, im Dreck wühlen, Gesteine hämmern, Gesteine erklären bzw. von den Stundenten erklären lassen, Strukturen erkennen helfen, die Studies beim Messen der Strukturen unterstützen, sich zur nächsten Gruppe von Studies durchschlagen...

Etwa gegen 14 Uhr standen wir zufällig gerade ohne Studenten am Auto, als Ulrika wieder anrief: Das andere Pärchen hätte aufgegeben, sodaß wir das Bietverfahren gewonnen haben!!! Ein letztes Telefonat mit ihr kurz darauf klärte noch: morgen treffen wir sie und die Besitzer, um den Vertrag zu unterschreiben.