Mittwoch, 7. November 2012

Quer durch Südafrika - Teil 4

Tag 10
Der letzte Fahrtag auf dem Weg nach Port Elizabeth begann für uns um 5:30, als wir vom Hof des Hotels in Coffee Bay fuhren. 566 km in 8:20 h lagen laut Navi vor uns. Leider waren wir nicht ganz so schnell. Mehrere 30 km lange Baustellen mit Ampeln, an denen man schonmal eine halbe Stunde warten muß, und eine Vollsperrung der Straße etwa 100 km vor Port Elizabeth machten uns einen leichten Strich durch die Rechnung. Da stehen dann schon mal zwei Polizeiautos mit Blaulicht und 4 schlafenden Polizisten auf dem Seitenstreifen, aber ohne Anzeichen, was sie wollen. Und 5 km weiter ist eine Blockade auf der Straße. Erst nach mehrfachem Hin- und Herfahren und schließlich Fragen bei der Polizeistreife wies man uns mit einer müden Geste, daß wir doch bitte abbiegen sollten. Das brachte uns nach einem einstündigen Umweg wieder auf die Straße östlich von Port Elizabeth.

Die Eastern Cape Provinz und P.E., wie Port Elizabeth genannt wird, bilden schon einen krassen Kontrast zur Wild Coast. Hier ist alles grün mit einer riesigen Flußmündung in den stürmischen indischen Ozean, Wanderdünen, viel Industrie und einer Strandpromenade mit 5-Sterne-Hotels.

Letzte Amtshandlung für heute war das Einchecken in der Pine Lodge, wo am Montag auch die Tagung startet, und die Rückgabe des Mietwagens.
Vorsicht Pumba!

Tag 11
Der letzte Tag unserer Rundreise und ein echtes Highlight: Zusammen mit einigen Teilnehmern der Tagung hatten wir einen Besuch im Addo Elephant Park gebucht. Unser Führer holte uns morgens mit einem Minibus ab und fuhr uns zum und durch den Park. Da er wirklich sehr viel Wissen über die Tiere und Erfahrung als Touristenführer mitbrachte, war die Tour durch den Park einfach nur fantastisch. Der Addo Elephant Park hat die wahrscheinlich höchste Dichte an Elephanten weltweit. Außerdem gibt es jede Menge verschiedene Antilopen, Mistkäfer (Pillendreher), Vögel, Zebras und sogar Nashörner und Löwen. Die Löwen haben wir leider nicht gesehen, aber das Spitzmaulnashorn war wirklich beeindruckend. Immerhin ist es das seltenste große Landsäugetier der Erde und selbst in den Parks stark durch Wilderer bedroht, die es auf das Horn abgesehen haben. Doch das Beste am ganzen Tag waren tatsächlich die Elefanten, die hier im Park völlig friedlich in ihren Familien leben und die Autos mit den Touristen ignorieren. An einer Stelle standen wir mit dem Auto in einer Ansammlung von mehr als 100 Elefanten, die sich über frisch gepflanzte Büsche hermachten, in einem Wasserloch spielten, ihre Babies säugten und offensichtlich eine Menge Spaß hatten. Es ist schon fantastisch, wenn so eine Gruppe Elefanten nur ein paar Meter vom Auto entfernt vorbeiläuft. Die Zeit verflog echt wie im Flug, auch wenn wir jede Minute genutzt haben und erst bei Einbruch der Dunkelheit den Park verlassen haben.
Echte Pumbas.
Elefanten von hinten.
Elephant crossing!
Elefantenstau.
Kudu. Die Hörner sind bestimmt gute Griffe, sollte man mal ein Kudu reiten.
Einer der Big 5: der Büffel.
Und zu guter letzt noch das Nashorn, noch eins von den Big 5 Tieren (Elefant, Büffel, Nashorn, Löwe und Leopard) und das am stärksten gefährdete große Landsäugetier.
So sind wir auch eine ganze Stunde zu spät zur Eisbrecherparty gekommen. Solche Parties, bzw. Abendessen mit Bier und Wein finden normalerweise vor Tagungen statt, um tatsächlich das Eis zu brechen. Damit war der Urlaub ganz offiziell beendet und die Tagung konnte beginnen.

Dienstag, 30. Oktober 2012

Quer durch Südafrika - Teil 3

Tag 8
Heute war ein weiterer Fahrtag. 600 km von den Drakensbergen über Pietermaritzburg, Kokstad und Umtata nach Coffee Bay an der sogenannten Wild Coast. Ein Teil des Weges führte über Schlaglochstraßen aus den Drakensbergen, Autobahn, dann kurvige Landstraßen, durch völlig überfüllte Städte mit hunderten von Leuten, die vor, neben und hinter dem Auto die Straße überqueren, während einen rechts und links Autos überholen. Zudem fuhren wir durch zwei große Gewitter, die das Vorankommen zusätzlich erschwerten.
Auf in den Surm.

Umtata liegt etwa auf halbem Wege zum Ziel unserer Reise, Port Elizabeth. Da bot sich ein Zwischenstopp an. In Google Earth hatte ich Coffee Bay an der Küste nach den Fotos, die Leute von dort reingestellt hatten, als Etappenziel ausgesucht. Im Internet machte das Dörfchen den Eindruck eines idyllischen Surfernests mit einigen Backpacker-Unterkünften und Ausflugsmöglichkeiten. Wie so oft ist die Realität nicht ganz so schön.

Um auf Nummer sicher zu gehen, hatte ich 2 Nächte mit Abendessen und Frühstück gebucht. Dank mehreren endlosen Baustellen, monströsen Schlaglöchern und den Gewittern kamen wir erst kurz nach 6 also im Dunkeln an. Der Wächter am Tor des Hotels war überrascht über unser Auftauchen und meinte, die Frau an der Rezeption sei gerade nach Hause gegangen. Dennoch schnappte er sich einen Zimmerschlüssel und führte uns durch das scheinbar menschenleere Hotel in den ersten Stock in ein Doppelzimmer. Genau wie der Rest des Hotels hatte das Zimmer schon bessere Zeiten gesehen. Es roch mach altem Zigarettenrauch, Räucherstäbchen, Möbelpolitur und Katzenpisse. Das Bett war zum Glück sauber. Auf jeden Fall gab es natürlich nur mit dem Wächter auch kein gebuchtes Abendessen. Doch er versprach, seine Chefin zu informieren, sodaß wir am nächsten Morgen Frühstück bekommen sollten. Damit wir uns nicht ohne Essen den Abend in unserem Hotelzimmer um die Ohren schlagen mußten, fuhren wir nochmal mit dem Auto durchs Dorf auf der Suche dach einem Restaurant. Nach 10 Stunden Autofahren, Sturm und Enttäuschung machte das wirklich keinen Spaß mehr. Zum Glück fanden wir eine nette Backpackerkneipe mit 12 Hunden, kaltem Bier und Fish und Chips. Also mußten wir wenigstens nicht hungrig ins Bett gehen.

Tag 9
Am nächsten Tag weckte uns die Sonne, die durch das Fenster in unser Zimmer schien. Tatsächlich konnte man von dort den Hotelgarten mit exotischen Pflanzen und das Meer sehen.
Ausblick aus dem Hotelzimmerfenster. Ganz nicht so übel.
Eine Wanderung durch das immer noch menschenleere Hotel zum Frühstückssaal und zur Rezeption brachte leider kein Ergebnis. Ein echtes Geisterhotel! Ein kleiner Spaziergang auf der Suche nach dem Strand verlief leider ergebnislos, sodaß wir es nochmal im Hotel versuchen wollten. Auch bei Tageslicht zeigte sich, daß das Hotel vor 10 bis 15 Jahren bestimmt mal schön war. Tatsächlich trafen wir am Eingang die Chefin. Mittlerweile war es gegen 9 und sie fragte, ob sie denn Frühstück besorgen sollte. Wir hatten zu dem Zeitpunkt schon die Nase voll vom Hotel, sodaß wir verzichteten und einfach nur für die Übernachtung bezahlen wollten. Als das erledigt war, haben wir uns den Weg zum Strand erklären lassen. Der war zum Glück recht schön mit einer Flußmündung, Steilklippen und gelbem Sand.
Die Küste von Coffee Bay.

Etwas versöhnt machten wir uns dann im Auto auf den Weg zu einem Steintor etwas weiter westlich an der Küste. Mit einem Führer kann man wohl in 3 Stunden an der Küste entlang wandern. Mit dem Auto fuhren wir etwa 50 km. Dann bog der Weg auf einen Feldweg ab, der so schlecht war, daß wir mit dem Mietwagen nicht weiterkamen. Die Küste war noch immer nicht in Sicht und wir waren umgeben von ärmlichen Hütten. Also konnten wir das Auto auch nicht parken und auf gut Glück loslaufen. Es blieb uns also nichts weiter übrig als umzukehren und den ganzen Weg zurückzufahren. Man kann sich vorstellen, wie frustrierend das war.

Zurück in Coffee Bay versuchten wir uns an einem Ausflug zu den Klippen östlich des Dorfes, zu dem eine alte Karte im Hotel hing. Allerdings waren wir auch hier nach einer halben Stunde zum Umkehren gezwungen. Die schlechte Straße und die unsichere Gegend ließen uns keine Wahl. Im Gegensatz zu den armen Leuten in den Drakensbergen hatten wir hier den Eindruck, daß die Leute resigniert hatten. Kinder, die in der Schule sein sollten, spielten am Straßenrand und bettelten, als wir vorbeifuhren. Auch die Erwachsenen, die am Straßenrand saßen, wirkten, als hätten sie nichts zutun.

Völlig frustriert parkten wir das Auto wieder auf dem Hotelhof. Mittlerweile war eine Menge Personal im Hotel. Doch die meiste Zeit saßen sie nur herum, statt das Hotel oder den Garten in Ordnung zu bringen. Uns blieb eigentlich nichts anderes zutun, als zum Strand zu gehen, zu lesen, den Surfschülern und den Kindergartenkindern zuzuschauen und zu warten, daß der Tag zuende ging. Als es langsam dunkel wurde, gingen wir wieder in die Kneipe vom Abend zuvor. Zwar hatte das Dorf seit dem Nachmittag schon keinen Strom mehr, aber das Bier war noch kalt und bei Kerzenschein unterhielten wir uns mit einem Rentnerpärchen aus Leipzig. Das war eigentlich Highlight des Tages. Ansonsten wollten wir nur früh schlafen um am nächsten Morgen so schnell wie möglich weiterzufahren.

Alles in Allem war der Abstecher nach Coffee Bay wohl der Tiefpunkt unseres Südafrikaaufenthalts. Man kann nur hoffen, daß es jetzt in den letzten Tagen wieder aufwärts geht.

Quer durch Südafrika - Teil 2

Tage 4 und 5
Zwei Tage im Royal Natal Nationalpark in den nördlichen Drakensbergen liegen hinter uns. Beide Tage sind wir gewandert und an beiden Tagen sind wir naß geworden, doch sonst haben die beiden Tage wenig gemeinsam.
Das war übrigens unsere Unterkunft.
Als wir vorgestern Abend hier ankamen regnete es und es wurde im Laufe der Nacht nur noch schlimmer. Am nächsten Morgen fuhren wir dann dunkelblauen Wolken über dem 15 km entfernten Nationalpark entgegen. Die meisten der bis zu 3500 m hohen Berge waren ohnehin in den Wolken verschwunden. Im Park angekommen entschieden wir uns dafür, kurze Wanderungen zu machen, die im Falle einer Wetterverschlechterung einen kurzen Rückweg zum Auto erlaubten. Der Vormittag war eine Mischung aus Nieselregen, Schauern und kurzen trockeneren Abschnitten, bei denen man ständig die Regelnjacke an- und ausziehen mußte und die Kamera ein- und auspacken. Zudem donnerte es in einigen Kilometern Entfernung bedrohlich. Trotzdem hatte die Landschaft auch bei diesem Wetter einiges zu bieten, zumal es jetzt im Frühling noch dazu jede Menge wunderschön blühende Pflanzen gibt. Gegen frühen Nachmittag wurde unser Durchhaltevermögen belohnt, und innerhalb von nur 10 min verzogen sich die Wolken und die Sonne schien auf die plötzlich auftauchenden Berge. So konnten wir unsere Wanderung noch ein wenig fortsetzen, bevor wir gegen ca. 14 den Rückweg antraten. Als wir nur noch etwa 3 km vom Auto entfernt waren, zog innerhalb von einer Viertel Stunde ein neues Gewitter herauf, und es begann erst bedrohlich immer näher in unserer Nähe zu donnern und dann auch zu regnen und zu hageln. Der Regen wurde auf die letzten 2 km so stark, daß wir trotz Regensachen komplett naß waren, als wir am Auto ankamen. Zurück in unserer Hütte wurde jede freie Stelle zur Wäschetrocknung verwendet. Dank eines kleinen Ölradiators haben wir auch alles bis auf die Schuhe über Nacht trocken bekommen.
Was auch immer Dassies sind.
Wandern im Regen.
Flaschenputzerbaumblüte.
Ja, die Sonne schien zwischendurch auch mal. Und es war grandios.
So konnte es heute morgen erneut raus zum Wandern gehen. Und welche Überraschung: die Sonne schien und es war nicht eine Wolke am Himmel.
Auf dem Weg in den Nationalpark: im Hintergrund das sogenannte Amphitheater, eine 1000 m  hohe, senkrechte Felswand.
Die sogenannte Gorge-Wanderung führt auf insgesamt 14 km oberhalb des Tugela-Flußtales in Richtung des Tugela-Falls, wo das Wasser etwa 800 m die Wand des sogenannten Amphitheaters hinunterstürzt. Das Amphitheater, auf das wir den ganzen Tag lang zu wanderten ist eine bis zu 1000 m hohe und mehr als 3 km breite Felswand mit mehreren Gipfeln über 3500 m Höhe. Die Aussicht währen der Wanderung war also grandios. Nach fast der Hälfte des Weges trifft der Wanderweg auf den Fluß Tugela, der durch eine enge Felsschlucht donnert. Wer hier noch nicht genug hat, kann der Schlucht flußaufwärts folgen, muß dafür aber den Fluß zweimal überqueren. Als erfahrene Flußdurchwater hatten wir natürlich Sandalen eingepackt. Das hat die Durchquerung des knietiefen und für meine Erwartungen an einen afrikanischen Fluß sehr kalten Wassers sehr erleichtert. Bei geschätzten 25C Lufttemperatur sind die Füße danach auch in null komma nix wieder trocken. Anschließend verließen wir die Schlucht über eine Hängeleiter, die über etwa 15 m fast senkrecht die Felswand hinaufführte. Der von dort aus weiterführende Pfad war kaum noch als solcher zu erkennen und bestand teilweise aus einer Kombination aus Lianen und in den Fels gehauenen Kletterhilfen, die einen mitunter senkrecht oberhalb einer sehr engen Seitenschlucht, die nicht ohne Grund Tunnel genannt wird, entlangführten. Kurz darauf ging es gar nicht mehr weiter. Den Wasserfall sahen wir auch nicht. Und so machten wir kurzerhand kehrt. Der Rückweg inklusive 2x Flußdurchwaten mußte ja auch noch bewältigt werden, zumal wir überhaupt kein Vertrauen mehr in die Stabilität des Wetters hatten. Diesmal hatten wir aber Glück, und Sonne und Hitze blieben uns treu. Zurück am Besucherzentrum gab es zur Belohnung für die überstandene Wanderung ein schönes Magnum. An der Infotafel stellten wir dann recht enttäuscht fest, daß wir dort, wo wir die Hängeleiter hochgeklettert waren, vom eigentlichen Weg abgewichen sind und einem Abstecher gefolgt sind. Stattdessen hätten wir auf der anderen Seite der Schlucht den Hang hinauf gemußt, um den Wasserfall zu sehen. Sehr ärgerlich, zumal wir extra die detaillierte Karte gekauft hatten, die uns aber im entscheidenden Moment falsch informiert hat! Nun ja, irgendwie ist hier jedes tolle Erlebnis mit einem kleinen Rückschlag verbunden, was aber der Wanderung und dem Besuch im Royal Natal Nationalpark keinen Abbruch getan hat.
Die Sandsteinberge am Eingang zum Tal.
Wir kommen den eigentlichen Bergen näher.
Sonnenschein und frisches Grün, und das Ende Oktober. Herrlich.
Im Canyon.
Kleine Kekspause.
Protea, die Nationalblume Südafrikas.

Tag 6
Heute war wieder mal ein Fahrtag, wenn auch ein kurzer. Das Wetter war passend dazu bewölkt und grau. Vom Royal Natal Nationalpark ging es in den Giant's Castle Nationalpark. Zwischendurch machten wir noch einen Umweg zum Cathedral Peak Nationalpark. Alle drei gehören zum Ukhahlamba Drakensberg Weltkulturerbe. In Cathedral Peak gibt es ein sogenanntes Rock Art Center, was sich nicht mit Musik, sondern mit den Höhlenmalereien der San, der Ureinwohner dieser Gegend, beschäftigt. Die bis zu 4000 Jahre alten Felsmalereien, die es hier in den Drakensbergen überall gibt, sind der Grund, warum die Unesco die Gegen nicht nur zum Weltnatur- sondern eben zum Weltkulturerbe erklärt hat. Das Rock Art Center ist ein kleines Museum mit Hintergrundinformationen zu den San, den Felsmalereien und deren Erforschung. Von Cathedral Peak ging es dann weiter über Winterton und Estcourt in den Giant's Castle Nationalpark. Wenn man das auf der Karte anschaut, fällt auf, daß man leider keine direkten Wege zwischen den Parks fahren kann, sondern immer wieder weit nach Osten ins Flachland ausweichen muß. In den Hügeln, die den Drakensbergen vorgelagert sind, fährt man durch ärmliche Dörfer aus winzigen Lehmhütten mit Strohdächern. Ziegen und Kühe grasen am Straßenrand und überqueren ohne Vorwarnung die Straße. Morgens und nachmittags sieht man viele Kinder in Schuluniformen. Tagsüber gehen dagegen meist Frauen in bunten Kleidern mit Babies im Arm oder einem Eimer Wasser oder einem Paket Stroh auf dem Kopf an der Straße entlang. Manche haben sich das Gesicht mit der roten Erde bemalt, aus der die Hütten gebaut sind und die hier fast allem einen rotbraunen Überzug aus Staub und Schlamm verleiht. Weiße Menschen sieht man nur in den sporadisch entgegenkommenden Mietwagen. Es ist schon ein seltsames Gefühl, sich vorzustellen, daß die Menschen hier so leben. Es tröstet ein bißchen, daß niemand hungrig aussieht und die Kinder in die Schule gehen und daß der Tourismus tatsächlich etwas Geld in diese Gegend bringt.
Das Hüttencamp im Cathedral Peak Nationalpark hat schon abenteuerliche Formen.
Elandstatue vor dem Rock Art Center.

Tag 7
Zwei Übernachtungen im Hüttencamp des Giant's Castle Nationalparks erlaubten genau einen Tag zur Erkundung. Durch das Rock Art Center gut auf die Felsmalereien vorbereitet, stand für den Morgen eine Wanderung zu den sogenannten Main Caves an. Dort erwartete uns eine Führerin, die uns die Felsmalereien der San erklärte. Für mich war es das erste Mal, daß ich echte Felsmalereien gesehe habe. Sie waren wirklich beeindruckend schön und teilweise sehr detailgetreu. Die Führerin gehörte zu der dort ansässigen schwarzen Volksgruppe, die das San-Volk zum größten Teil assimiliert hat. Als Teil der Führung demonstrierte sie sehr eindrucksvoll die Klick- und Schnalzlaute ihrer Sprache, die von den San beeinflußt wurde. Insgesamt eine sehr schöne und interessante Wanderung und Führung.
An den Main Caves.
Felsmalereien, auf die englische Soldaten Anfang des 20. Jahrhunderts geschossen haben.
Danach ging es weiter auf eine längere Wanderung durch die Hügel des Parks. Leider nieselte es konstant, sodaß die Berge nicht zu sehen waren und das bis zu hüfthohe Gras sehr naß war. Innerhalb von kürzester Zeit waren nicht nur unsere Hosenbeine pitschnaß, sondern es lief auch das Wasser oben in die Schuhe rein. Als wir dann noch aneinen Fluß kamen, der durch den Regen so voll Wasser war, daß wir ihn nicht ohne Weiteres überqueren konnten, entschieden wir uns zum Umkehren. Völlig naß und etwas frustriert kamen wir gegen Mittag in unserer Hütte an. Der einzige Trost waren die schönen Blumen, die auf den Wiesen überall zu dieser Jahreszeit blühen. Zudem war unsere Hütte mit einer komplett verglasten Wand und einem Strohdach sehr schön, sodaß es zwar etwas frustrierend war, den Nachmittag drinnen zu verbringen, aber wenigstens gemütlich.
Blümchen im Regen.
Paviane durchsuchen das Hüttencamp nach Eßbarem.
Alles in allem war der Besuch in den Drakensbergen sehr, sehr schön und faszinierend und einen Besuch wert.

Quer durch Südafrika - Teil 1

Tag 1
Es ist vollbracht. Endlich liege ich wieder horizontal in einem weichen, kuschligen Bett. Zu meinem Entsetzen haben das 12 Stunden Fliegen und 5 Stunden Autofahren ohne wirkliche Bewegung oder echten, entspannenden Schlaf in der Horizontalen ihre Spuren hinterlassen: geschwollene Beine! Und das in meinem Alter ;-)

Aber wenn das der Preis für eine ansonsten zwischenfallslose Anreise ist, nehme ich ihn gern in Kauf. Immerhin sind wir in den letzten 24 Stunden von Schweden nach München und von dort weiter nach Johannesburg geflogen. Von da aus ging es mit dem Mietwagen ca. 450 km in die Nähe von Louwsburg in der Provinz Kwazulu-Natal, wo wir 2 Nächte auf einer Gästefarm übernachten. Leider war heute Abend mehr als ein kleiner Spaziergang nicht mehr drin. Aber selbst dabei haben wir schon unseren ersten Springbock (oder sowas) gesehen. Morgen besuchen wir dann den Ithala Nationalpark, wo wir hoffentlich noch viel mehr und größere Tiere sehen werden. Doch bis dahin muß ich noch ein paar Stunden Schlaf nachholen.

Tag 2
Heute habe ich gelernt, warum man in Afrika nicht nach Einbruch der Dunkelheit fahren sollte und daß Giraffen auf afrikaans Kamelpferd heißen. Aber fangen wir am Anfang an. Am heutigen Tag stand das Ithala Game Reserve auf dem Programm. Nach einem kurzen Besuch im Spar in der nahe gelegenen Stadt Louwsburg, in dem wir als einzige Weiße eine Kuriosität darstellten, registrierten wir unseren Besuch am Eingang des Parks. Dort kann man mit dem Auto auf asphaltierten und geschotterten Rundwegen die örtliche Tier- und Pflanzenwelt bestaunen. Dank mehr als 1000 m Höhenunterschied sieht man im Park viele verschiedene Landschafts- und Vegetationszonen. Außerdem gibt es eine reiche Flora und Fauna. Wir haben unter anderem Zebras, Elands, Wildebeests, Warzenschweine, Klippspringer, Paviane und Kudus gesehen. Da läßt es sich verschmerzen, daß wir keine der ortsansässigen Nashörner und Elefanten gesehen haben. Am Nachmittag mußten wir unsere Fotosafarie dann wegen eines Gewitters unterbrechen. Das nutzen wir für ein frühes Abendsessen im Hauptcamp, wo es auch Informationen über die Tiere gibt (daher das mit dem Kamelpferd). Leider ist es leicht, sich mit der Zeit zu verschätzen, wenn man im Park unterwegs ist. Und so wurde es schon recht dunkel, als wir das Tor passierten. Die anschließende Fahrt zurück zu unserer Unterkunft war alles andere als lustig. Bei Dunkelheit, Regen und Nebel und ohne reflektierende Straßenkennzeichnung ist es kein Spaß durch die südafrikanische Nacht zu fahren. Und ich dachte, in Schweden sei es dunkel!
Im Ithala Game Reserve. Vorsicht, gefährliche Tiere!
Nashornkacke.
Hier nicht schwimmen.
Eine nicht ganz so gefährliche Anthilope.
Ziemlich entspannte, aber dreckige Zebras.
Tag 3
Da war die Blechbüchse noch sauber. Nach der Rettungsaktion sah sie eher dreckig rot aus.
Heute war ein Fahrtag, der schon recht abenteuerlich begann. Dazu muß man wissen, das wir uns hier ein winziges Auto gemietet haben, einen Chevrolet der Kategorie "billige Blechbüchse"; zudem haben wir die ersten zwei Nächte auf einer Gästefarm verbracht. Die hat es so an sich, daß man bis zu den Wohngebäuden etwa 1 km auf einem unbefestigten, engen Weg zuerst bergab, dann durch einen kleinen Bach und dann wieder bergauf fahren muß. Der Weg besteht aus roter Erde, die schon gestern Abend zu Matsch geworden war, was in Kombination mit den winzigen Reifen der Blechbüchse zu einer abenteuerlichen und nicht im Geringsten lustigen Rutschpartie geführt hatte. Einziger Vorteil der Blechbüchse ist, daß sie so leicht ist, daß selbst ich allein sie anschieben kann.

Nun ja, nachdem der Regen aber die ganze Nacht angedauert hat, hatte sich die Qualität des Weges nicht gerade verbessert. Unser Gastgeber meinte allerdings: "Kein Problem. Ich zieh euch mit meinem Geländewagen bis hoch zur Asphaltstraße." Gesagt getan, und so spannte er ein Abschleppseil zwischen seinen Toyota und die Blechbüchse - und zwar zwischen die Stoßstangen! Das heißt, er fuhr die ganze Zeit rückwärts den toyotabreiten, schlammigen Weg hinunter, durch den Bach und dann hinauf und zog dabei die Blechbüchse. An einigen Stellen hatte selbst er Probleme, sodaß die 30minütige Aktion ganz schön Nerven gekostet hat. Nur gut, daß wir dank eines üppigen Frühstücks mit boereworst (südafrikanische Bratwurst), Eiern, Speck und Pilzen für jedes Abenteuer gerüstet waren.

Weiter ging es dann etwa 280 km nach Westen in die Drakensberge. Die ganze Fahrt hindurch regnete und nieselte es. Erst als wir einen Zwischenstopp im Spioenkop Naturreservat einlegten, hörte es auf. Im Reservat gab es wieder vom Auto aus einige Tierarten zu bestaunen. Am besten waren die Giraffen, die an den Akazien knabberten und sich gegenseitig liebevoll mit den Hälsen gegen die Flanken "halsten."
Giraffe im Spioenkop Naturreservat.


Morgen geht es dann in den Royal Natal Nationalpark, der zum Unesco Weltkulturerbe zählt. Seit ein paar Stunden gewittert es kräftig. Wollen wir hoffen, daß sich das Wetter bis morgen früh wieder beruhigt.

Sonntag, 14. Oktober 2012

Faul, routiniert oder einfach beschäftigt?

In ziemlich genau 3 Tagen werde ich in einem Flugzeug Richtung Südafrika sitzen, um dort ein paar Tage Urlaub zu machen und anschließend an einer Tagung teilzunehmen. Das wird meine zweite Reise auf einen anderen Kontinent. 
 
Das erste mal war die Reise nach Chile vor 4 Jahren. Damals war ich sehr aufgeregt und habe schon Wochen vorher den groben Ablauf geplant, eine Liste gemacht, Ausrüstung eingelauft und sogar gepackt. Und die Chilereise war wirklich Wahnsinn. Alles, was im Vorhinein geplant war, hat geklappt, und selbst die Dinge, die vor Ort organisiert werden mußten (z.B. Busse, Unterkünfte und sogar ein Inladsflug), haben keine Komplikationen verursacht.
Am Vulkan Parinacota auf dem chilenischen Altiplano.
4 Jahre später ist die große Aufregung irgendwie abhanden gekommen. Die Flüge (über München nach Johannesburg) sind seit ungefähr 6 Wochen gebucht. Aber erst heute hab ich mit dem Packen angefangen. Es gibt auch einen groben Plan, wann es wohin geht, aber der wurde erst heute vollendet. Seit dem letzten Wochenende ist der Mietwagen gebucht, aber die Unterkünfte, die man in Südafrika vorbuchen muß, sind erst seit heute Mittag und das auch nur zur Hälfte gebucht. Für die andere Hälfte fehlen noch die Antworten von den jeweiligen Hotels/Camps/etc. Zu allem Überfluß muß ich für die Tagung auch noch einen kompletten Vortrag vorbereiten.

Na ja, all das wird sich schon ergeben, bis es am Mittwoch Nachmittag losgeht. Ich bin eher etwas erstaunt darüber, wie unaufgeregt ich dieser Reise entgegensehe. Man könnte es auch routiniert nennen nach so vielen Reisen oder aber faul. Oder ich rede mich damit raus, daß mir eigentlich gar nicht nach reisen zumute ist mit all den Umzugsplänen und den vielen Dingen, die sich in der Zwischenzeit auf Arbeit auftürmen. Aber vielleicht ist es da umso besser, mal rauszukommen.

Also hier noch ein letztes Foto von Chile, bevor es demnächst welche aus Südafrika gibt.
Lamas grasen auf über 3500 m Höhe. Im Hintergrund der Vulkan Llullaillaco.

Samstag, 13. Oktober 2012

Dreisprachig leben und arbeiten

Wenn man sich im Fernsehen Auswanderersendungen anschaut, kann man eines schnell feststellen: wer erfolgreich in einem fremden Land leben und arbeiten will, muß die Landessprache lernen. Völlig ohne Sprachkenntnise in ein anderes Land zu ziehen und zu erwarten, daß man sich mit englisch oder gar deutsch durchschlagen kann, ist außer im englisch- und deutschssprachigen Ausland einfach nur illusorisch. Spätestens wenn man wirklich ein Teil der Kultur des Landes werden möchte, kommt man um das Lernen der Sprache nicht herum.

In Schweden ist es zunächst leicht, mit englisch über die Runden zu kommen. Die meisten Skandinavier sprechen hervorragend englisch und wechseln sofort ins Englische, wenn sie bemerken, daß sie es mit einem Nichtschweden zutun haben. Und in einem Einwandererland wie Schweden können selbst die Ämter mit fremdsprachigen Formularen und Übersetzungen aufwarten. Dennoch wird erwartet, daß man nach der Ankunft so schnell wie möglich schwedisch lernt, um sich in den Arbeitsmarkt integrieren zu können.

Da ich nach Schweden gezogen bin, weil ich einen Job angeboten bekommen hatte, fiel diese Art von Motivation für mich weg. Zudem war dieser Job an der Uni, die per Definition ein Subuniversum darstellt, in dem es multikulturell zugeht und englisch gesprochen wird. Tatsächlich sind bei mir auf Arbeit nur die Sekretärinnen wirklich schwedisch. In meiner Abteilung haben wir nur noch eine festangestellte Schwedin, und von den ca. 15 Doktoranden sind auch nur 3 schwedisch. Das heißt, meine Arbeitssprache in der Wissenschaft ist englisch. Am Institut und in der Abteilung gibt es auch eine beträchtliche Anzahl an Deutschen. Mit denen rede ich natürlich deutsch, allerdings nur wenn niemand in der Nähe ist, der nicht deutsch spricht. Dann wird schonmal mitten im Satz die Sprache gewechselt. Und zu Hause wird natürlich auch deutsch gesprochen.

Seit Neuestem bin ich ja am Arbeitsplatz auch eine gespaltene Persönlichkeit: zu 65% bin ich Wissenschaftlerin, zu 20% Lehrerin und zu 15% arbeite ich in der Institutsleitung. Meine neuen Pflichten in der Institutsleitung erledige ich zu 95% auf schwedisch. Das bedeutet, ich sitze in Meetings, rede mit den mir unterstellen technischen Mitarbeitern und kommuniziere mit der Univerwaltung und das alles auf schwedisch. Das ist manchmal gar nicht so einfach, aber mein Schwedisch ist schon viel besser geworden, weil ich eben dazu gezwungen bin, zu sprechen und zu schreiben. Da zahlt es sich doch aus, daß ich weiter Unterricht genommen habe. Selber unterrichte ich weiterhin auf englisch. Da fühle ich mich irgendwie nicht sicher genug mit meinem Schwedisch, zumal ich die ganzen Fachworte auf schwedisch auch gar nicht kann. Aber wenn die Studenten auf schwedisch fragen, verstehe ich das schon. Also sind die Sprachen da etwas vermischt.

Ansonsten hilft es natürlich auch im Alltag, einigermaßen schwedisch sprechen zu können, wenn es zum Beispiel um den Schwatz mit meiner Friseurin oder den Hauskauf geht. Und vielleicht kann man sich ja tatsächlich mit den neuen Nachbarn anfreunden. Wer weiß?

P.S.: In welcher Sprache ich träume, weiß ich gar nicht. Da muß ich heute Nacht mal drauf achten.

Montag, 8. Oktober 2012

Dinos, Schnittchen & kaltes Rentier

Es ist Herbst, Zeit für die jährliche Herbstparty auf Arbeit. Dieses Jahr gab es am Nachmittag davor außerdem eine Infoveranstaltung, bei der der Institutsleiter, der neue Studentenaustauschkoordinator, die Chefin der Verwaltung usw. die Mitarbeiter über neue Entwicklungen informiert haben. Dann gab es Schnittchen im umgestalteten Foyer, in dem seit Neuestem ein Ichtyosaurusskelett hängt.
Das Ichtyosaurusskelett im Foyer des Instituts.
 Außerdem wurde die neu gestaltete Bibliothek mit einer Schnitzeljagd eingeweiht. Die Forschungsabteilungen zeigten zudem neu angeschafte Ausrüstung.


Die Abteilung Luft, Wasser und Landschaftslehre lassen einen Wetterbalon steigen.
Am Abend gab es dann ein 3-Gänge-Menu für die Angestellten im Gebäude von einer der Studentenverbindungen, eine gute Gelegenheit, sich mit Kollegen zu unterhalten, zumal das Essen auch ziemlich lange auf sich warten ließ. Zwischen Vorspeise und Hauptgang verging mindestens eine Stunde. Und leider war das Rentier auch noch kalt. Es ist aber auch schwierig, 110 Leuten gleichzeitig etwas Warmes vorzusetzen. Na ja, ich will mich nicht beklagen. Ein Herbstdinner auf Kosten des Arbeitgebers gibt es an deutschen Unis nicht.