Sonntag, 7. Oktober 2012

3jähriges Schwedenhaus-Jubiläum

Jetzt Anfang Oktober sind es 3 Jahre her, seit ich in unser jetziges Zuhause eingezogen bin. Eine ganz schön lange Zeit! Das diesjährige Jubiläum ist aber auch ein ganz besonderes, weil der Mietvertrag gekündigt ist und wir Ende des Jahres ausgezogen sein werden. Das ist schon ein komisches Gefühl, weil das Leben in einem Häuschen auf dem Lande auch einen großen Einfluß auf unseren Lebenstil hier hat. Der wird sich zwar in unserem neuen Haus auch nicht ändern, aber viele Hobbies haben sich hier in unserem Schwedenhaus entwickelt. Zum Beispiel das Ciderbrauen und das Schneeschippen.
 
Da stellt sich natürlich die Frage, warum wir von hier wegziehen oder nicht gar das Haus gekauft haben, in dem wir jetzt wohnen. Ich glaube, ich habe bereits erwähnt, daß das Haus nicht nur zu klein und unmodern ist (nur ein winziges Bad, völlig überholte Stromleitungen etc.), sondern daß unser Vermieter auch in den 3 Jahren, in denen wir das Haus mieten sowie auch in vielen Jahren zuvor nichts am Haus gemacht hat. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis mal etwas Größeres kaputtgeht. Und bei der Art und Weise, wie sich unser Vermieter bisher verhalten hat, wenn mal eine kleinere Reparatur anstand, möchten wir dann möglichst nicht mehr hier wohnen.

Das 3jährige Jubiläum ist also zu Recht das letzte.


Sonntag, 30. September 2012

Neues Semester, neue Verantwortung - Teil 2

Es ist Sonntag Nachmittag. Die Woche ist vorbei und der September auch. Ein ganz schön ereignisreicher Monat: fast 3 Wochen Vollzeit unterrichtet, Haus gekauft und mal eben in die Institutsleitung eingestiegen. Das bedeutete eine Menge Arbeit und leider wenig Zeit für Wissenschaft. Doch jetzt am Ende des Septembers bin ich ganz zufrieden damit, wie alles geklappt hat: Die Lehre hat dank motivierter Studenten und guten Wetters Spaß gemacht. Ich habe langsam einen Überblick, was meine neuen Aufgaben in der Institutsleitung sind, und hab auch schon angefangen, an den großen Problemen zu arbeiten. Und daß wir endlich ein Haus gefunden haben, ist ein echter Lichtblick.

So gesehen, war der September zwar ein stressiger, aber produktiver Monat!

Der Oktober wird wahrscheinlich nicht weniger spannend, wenn auch hoffentlich weniger stressig: Termine mit Maklerin und Bank, 12 Stunden Unterricht über Fernerkundung, die ich auch noch fertig vorbereiten muß, und zu guter Letzt eine Tagung und ein paar Tage Urlaub in Südafrika. Ich freu mich schon.

Donnerstag, 13. September 2012

Hauskauf Level 4

Heute haben wir den Kaufvertrag für unser Haus unterschrieben. Während eines Treffens im Maklerbüro hat unsere Maklerin uns und den jetzigen Hausbesitzern den Kaufvertrag und die dazugehörigen Anlagen im einzelnen vorgelesen. Anschließend mußten wir jede einzelne Seite unterschreiben. Jetzt haben wir einen ganzen Ordner mit Hauskaufunterlagen.

Die jetzigen Besitzer sind ein junges Pärchen mit 2 kleinen Kindern, nett und bodenständig. Er scheint handwerklich begabt zu sein, denn er baut am eigenen Haus.

Wir dürfen am 3. Dezember einziehen, doch freundlicherweise dürfen wir vorher schon mal vorbeischauen, um die Zimmer auszumessen und ein paar Erklärungen für die Heizungsanlage zu bekommen.

Als nächstes muß ich den Mietvertrag für unser jetziges Haus kündigen und mit der Bank einen Termin ausmachen. Die Bank wird sich dann auch um den Grundbucheintrag kümmern. Auf jeden Fall haben wir heute schonmal die Anzahlung an die Maklerin überwiesen.

Auch wenn ich seit Ende letzten Jahres Häuser im Internet angeschaut habe und wir seit April 5 Häuser besichtigt haben, fühlt es sich so an, als wäre es jetzt schnell gegangen. Man kauft ja auch nicht jeden Tag ein Haus.

Mittwoch, 12. September 2012

Hauskauf Level 3,5

Hier kommt die Fortsetzung des Hauskaufkrimis:

Kurz vor 12 heute Mittag kam dann doch die SMS mit einem neuen Gebot der anderen Interessenten - der größte Schritt bisher: 50000 Kronen! Sobald die Studenten "umgetopft", also an die nächste Stelle für die Arbeit nach der Mittagspause gefahren waren, hab ich versucht, die Maklerin, Ulrika, anzurufen. Leider war der Empfang mittelmäßig, was erstmal Nerven gekostet hat. Da alte Handies aber zum Glück weniger anfällig für Empfangsprobleme sind, konnte ich dann doch unser neues Gebot abgeben - auch 50000 Kronen. Bei dieser Gelegenheit habe ich die Maklerin erstmal zum Verhalten der Gegenpartei befragt. Sie meinte, sie hätte sie am Abend zuvor doch noch erreicht, und sie hätten sich mehr Bedenkzeit erbeten. Die dauerte dann tatsächlich bis heute kurz vor Mittag an, was laut Maklerin den Eindruck erweckte, daß die beiden langsam anfängen unsicher zu werden. Und sowieso hätten sie auch noch nicht sämtliche Papiere zusammen. Das bestätigte eigentlich, was wir uns schon so gedacht hatten, weshalb wir uns bemüht hatten, nicht zu kleine Schritte beim Bieten zu machen und nicht lange zu zögern.

Auf jeden Fall hieß es erstmal warten, weil Ulrika erstmal Mittagspause gemacht hat. Unser Gebot wurde deshalb erst kurz nach 13 Uhr an alle beteiligten Parteien gesimst. Als eigentliche Handlung zwischen den Telefonaten stelle man sich Lehraktivität im Gelände vor: mit Studenten durch die Pampa laufen, im Dreck wühlen, Gesteine hämmern, Gesteine erklären bzw. von den Stundenten erklären lassen, Strukturen erkennen helfen, die Studies beim Messen der Strukturen unterstützen, sich zur nächsten Gruppe von Studies durchschlagen...

Etwa gegen 14 Uhr standen wir zufällig gerade ohne Studenten am Auto, als Ulrika wieder anrief: Das andere Pärchen hätte aufgegeben, sodaß wir das Bietverfahren gewonnen haben!!! Ein letztes Telefonat mit ihr kurz darauf klärte noch: morgen treffen wir sie und die Besitzer, um den Vertrag zu unterschreiben.

Hauskauf Level 3

Es ist Mittwoch kurz nach halb 12 und ich sitze im Wald und warte auf einen Anruf oder eine SMS, bzw. hoffe ich auf keinen Anruf und keine SMS. Seit gestern bieten wir nämlich auf ein Haus, das wir uns am Sonntag bei uns im Dorf angeschaut haben. 

Das Kaufverfahren nach der Besichtigung läuft in Schweden nämlich folgendermaßen ab: Bei der Besichtigung kann man dem Makler bereits mitteilen, ob man an dem Haus interessiert ist. Ansonsten ruft der Makler am nächsten Tag alle, die bei der Besichtigung waren, an, um zu fragen, ob ein Kaufinteresse besteht. Wenn man kaufen möchte, gibt man ein Gebot beim Makler auf das Haus ab. Andere interessierte Parteien werden informiert und können den Betrag überbieten.

In diesem Stadium sind wir gerade. Gestern Mittag ging das Bieten los. Gegen Mittag rief uns die Maklering an und wir signalisierten, daß wir interessiert sind. Sie war zu diesem Zeitpunkt noch am Rumtelefonieren und konnte uns deshalb nur sagen, daß es bis dahin ein Pärchen gab, das sehr interessiert war und mitbieten wollte, sowie mehrere Parteien, die erstmal abwarten wollten. Um halb 2 hatten wir die Studenten im Gelände soweit "verarztet", daß ich die Maklerin erneut anrufen konnte. Der Startpreis lag bei 1,495 Millionen Kronen. Also dachten wir uns, wir bieten mal darunter. Die Idee hatte aber auch schon das andere Pärchen, was die Verkäufer aber nicht akzeptiert haben. Das Pärchen mußte sich daraufhin erstmal beraten. Wir haben dagegen erstmal auf den Startpreis geboten. Das Pärchen hat uns dann aber kurz darauf knapp überboten, woraufhin wir wieder deutlich höher gegangen sind. Das ganze Spiel wiederholte sich dann noch einmal. Schon ein komisches Gefühl, so mitten im Wald auf ein Haus zu bieten.

Bei unserem letzten Schlagabtausch gestern waren wir dann schon wieder zurück im Institut und in einem Meeting. Hinterher rief die Maklerin an, um mir zu sagen, daß sie das Pärchen erstmal noch nicht wieder erreicht hatte und deshalb Feierabend mache. Damit waren wir für gestern Abend erstmal die Höchstbietenden. Und jetzt ist es Mittag, und wir warten entweder auf das nächste Gebot oder die Nachricht von der Maklerin, daß der Krimi vorbei ist.

Sonntag, 9. September 2012

Meine 1. selbstgemachte Handtasche

Nachdem ich mir vor einiger Zeit das Buch "The Bag Making Bible" von Lisa Lam gekauft hatte, war es an der Zeit meine Taschennähtechniken zu verfeinern. Und was wäre da besser geeignet als eines der Projekte aus dem Buch, das übrigens super ist und alle wichtigen Techniken als Schritt-für-Schritt-Anleitungen enthält.

Um die ganze Geschichte nicht zu sehr in die Länge zu ziehen, kommen hier einfach die Fotos. Wer die Tasche selbst nähen möchte, sollte sich unbedingt das Buch kaufen. Das kann ich nur wärmstens empfehlen.
Alle Teile zugeschnitten. Ich habe Stoffe von IKEA (grau und schwarz) und Panduro Hobby verwendet.
Nicht im Projekt vorgesehen, aber eine perfekte Gelegenheit, zu üben, wie man Reißverschlußtaschen näht.
Hier ein Schritt beim Nähen der Reißverschlußtasche auf der schwarzen Seite.
Die graue Außenseite und das Fließfutter jeweils einzeln fertig zusammengenäht.
Die graue und schwarze Seite, sowie das Futter vor dem Zusammennähen.
Die Schlaufe ist schon dran. Dann wird der Rand der Tasche gesäumt.
Und hier ist der Saum am mittleren Rand fertig und man sieht die Schlaufe schön.
Als nächstes wird der seitliche Rand gesäumt. Das war für mich am schwierigsten, hat aber letztlich ganz gut geklappt.
Und hier das Ergebnis. Sieht doch gut aus.
Anschließend habe ich die Träger genäht. Das war verhältnismäßig einfach.
Voila! Die fertige Tasche. Übrigens habe ich die Knöpfe selbst bezogen. Und ist die Reißverschlußtasche nicht super geworden?
Und hier die schwarze Seite, denn die Tasche ist wendbar. Die Reißverschlußtasche ist hier auf der Rückseite, weil die beiden RVTs nicht aneinander liegen sollten. An dieser Stelle kann ich ja noch zugeben, daß ich die Henkel falsch angenäht habe. Ich hab sie dann kurzerhand oben durchgeschnitten und richtig zusammengenäht, sodaß die Tasche schön über der Schulter getragen werden kann. Auf den Bildern sind die Henkel aber noch falsch.

Ich bin sehr stolz auf das Ergebnis, und meine Freundinnen waren auch sehr neidisch. Allerdings habe ich keine Ahnung, wie viele Stunden ich an der Tasche gesessen habe. Ich hab jedenfalls eine Menge gelernt.

Samstag, 8. September 2012

Neues Semester, neue Verantwortung

Diese Woche hat hier das Herbstsemester angefangen. Damit befindet sich die Welt wieder im Alltagszustand. Für mich bedeutet das in meinem neuen Job aber eine ganze Reihe von Neuerungen, die viel Arbeit und viel Verantwortung mit sich bringen.

Zunächst mal habe ich eine ganze Menge an Lehre von meinem Vorgänger geerbt. Momentan unterrichte ich in einem Kurs über Gesteine und Bodenkunde für die Bachelorstudenten des 2. und 3. Semesters. Dazu hatte ich am Dienstag einen ganzen Tag lang Vorlesung, sowie Donnerstag und Freitag jeweils eine eintägige Exkursion in die Nähe von Uppsala, wo die Studenten lernen sollen, Gesteine zu erkennen und Messungen zu machen. In den nächsten zwei Wochen fahre ich dann an jeweils 4 Tagen von 8 bis 16 Uhr mit der Hälfte der Studenten dorthin, damit sie in kleinen Gruppen lernen, eine geologische Karte anzufertigen. 
 
Mitte Oktober sehe ich dann die selben Studenten nochmal für 12 Stunden Unterricht über Fernerkundung in den Geowissenschaften. Und im Dezember unterrichte ich dann nochmal 15 Stunden ein Praktikum im Tektonikkurs für die fortgeschrittenen Masterstudenten. Das ist im Prinzip alles machbar, und ich unterrichte auch gern. Beim ersten Mal ist das nur alles mit sehr viel Vorbereitung verbunden. Zum Beispiel rechnet man, daß jede Vorlesungsstunde 4 Stunden Vorbereitung erfordert. 
 
Die Lehre im Gelände finde ich eigentlich besser, weil sie die praxisnaheste Erfahrung für einen Geowissenschaftenstudent überhaupt ist. Allerdings ist die Logistik vor allem beim ersten Mal eine Herausforderung. Für den jetzigen Kurs hatte mir mein Vorgänger Ende Juni eine eintägige Einführung in das Gelände gegeben und mir freundlicherweise auch das Material für die Studenten überlassen. Mitte August war ich dann nochmal einen Tag alleine unterwegs, um sicherzustellen, daß ich auch alles auf Anhieb finde. Das Gebiet ist auch eigentlich sehr interessant mit verschiedenen Eisenerzschichten, 2 Milliarden Jahre alten Vulkangesteinen und tollen Strukturen. Nur leider ist das für Anfänger alles viel zu kompliziert, weshalb es nächstes Jahr wahrscheinlich auch woanders hingeht.
Magnetische Eisenerzschicht.
Neben der Lehre habe ich seit Anfang September auch eine neue administrative Funktion: ich bin jetzt biträdande prefekt. Der prefekt ist unser Institutsleiter. Der wird von zwei biträdare unterstützt, einem in Fragen der Ausbildung und einem in Fragen von (keine Ahnung, wie ich das auf deutsch sagen soll) internen Angelegenheiten. Letzteres bin jetzt ich. Mein Vorgänger hat seine Aufgabe hervorragen gemacht, ist aber diese Woche an Krebs gestorben. Jetzt bin ich für alles, was mit Arbeitsplätzen, Büros, Hausmeisterdiensten, Labors, Post, Sicherheit und unserem hauseigenen Café  und unserer hauseigenen Druckerei zutun hat, verantwortlich. Ich bin also die Chefin der Intendentur, die sich aus 6 Leuten zusammensetzt, die sich direkt mit diesen Dingen beschäftigen. Ich bin dabei sozusagen die Vermittlering zwischen dem technischen Personal der Intendentur und der Institutsleitung. Deshalb muß ich jede Woche zum Treffen des prefekten mit den Abteilungsleitern, dem sogenannten Treffen der Leitungsgruppe (ledningsgrupp), und jede zweite Woche zum Treffen der Intendentur und mich in der Zwischenzeit darum kümmern, daß die entsprechenden Fragen und Aufgaben von beiden Seiten angegangen werden. Eine Menge Verantwortung also, die 15% meiner Arbeitszeit ausmachen soll.

Diese Woche kam beides, meine neue Aufgabe und die Lehre zusammen, was mich sehr gestreßt hat. Das lag vor allem daran, daß beides zeitlich dummerweise recht stark kollidierte. Zum Beispiel konnte ich während meiner Vorlesung natürlich nicht zum ledningsgrupp-Treffen gehen. Und dann habe ich mir auch ständig Sorgen gemacht, daß mit der Lehre alles klappt. Diese Sorgen haben mich dann nachts beschäftigt, sodaß ich wach lag und total müde war, als der Wecker um 6 Uhr klingelte.

Nachdem ich diese erste Woche des Semesters überstanden habe, bin ich aber etwas beruhigter. In den nächsten zwei Wochen kollidiert meine Lehre zwar auch mit den diversen meetings, aber hin und wieder kann ich es so einrichten, daß ich hingehen kann. Und so habe ich hoffentlich etwas weniger selbstkreierten Stress und kann besser schlafen, was die Sicht auf die Dinge ja im Allgemeinen stark verbessert. Die nächsten Wochen und Monate werden dann zeigen, wie ich mit der neuen Verantwortung klarkomme.