Montag, 28. Februar 2011

Schwedisierung: mein 1. Friseurbesuch

Letzte Woche hatte ich endgültig genug von meinem viel zu langen Ponny und meiner sowieso total rausgewachsenen Frisur. Da aber zur Zeit kein Deutschlandbesuch ansteht, mußte ich wohl oder übel eine meiner Hürden überwinden und hier in Schweden zum Friseur gehen. 

Obwohl es in der Stadt unzählige Friseure gibt, wollte ich in meiner Spontanität nicht erst irgendwohinfahren/-gehen müssen, sodaß ich zum nächstgelegenen Friseur ging, der sich 3 Minuten zu Fuß von meiner Arbeit befindet. Dort habe ich auch gleich für den nächsten Tag 19:15 Uhr einen Termin bekommen.

Ein Friseurbesuch ist ein sensitives Thema für eine Frau, weshalb frau im Normalfall ganz genau verstanden werden will. Also habe ich eine Stunde mit googeln verbracht, um Begriffe wie "Stufen" (lager oder skicktad snitt), "strapaziertes Haar" (slitet hår) oder Ponny (lug) zu finden, was gar nicht so einfach ist, weil es kein anständiges online-Wörterbuch schwedisch-deutsch gibt und die englischen Begriffe auch nicht unbedingt weiterhelfen.

Dann ging's los zur Friseurin. Wie in den meisten schwedischen Geschäften sah es auch in ihrem Salon aus wie in einer Einrichtungszeitschrift (die Schweden stehen auf Innendeko vom Allerfeinsten). Leider wurde nur wenig geredet, wenn ich auch genau verstanden habe, was sie gefragt hat. Vielleicht ist die wenige Kommunikation auch ein Grund dafür, daß ich meine neue Frisur noch etwas gewöhnungsbedürftig finde - ich wurde halt in die Entscheidung nicht vollständig einbezogen. Und die Hemmschwelle ist doch ziemlich hoch, wenn es ums Beschweren geht (imm Allgemeinen nimmt man dadurch eine Menge Sachen hin).

Nun ja, ich würde sagen, es war eine Erfahrung wert. Immerhin hab ich ein paar Dinge gelernt:
  1. Schwedische Friseure sind teurer als deutsche. Ein Haarschnitt mit waschen, schneiden, föhnen kostet zwischen 380 und 520 SEK (ca. 38 bis 52 €).
  2. Beim nächsten Mal gehe ich bevorzugt wieder in Deutschland zum Friseur. Ansonsten werde ich mal einen anderen Friseur hier ausprobieren. Vielleicht sind andere ja interaktionsfreudiger.
  3. Meine Frisur ist immerhin mützentauglicher und weniger stilingintensiv als vorher. Und bis das Mützenwetter vorbei ist, kann ich auch wieder zum Friseur.
Zusammenfassend kann ich also sagen, daß die Schwedisierung in diesem Fall nicht wirklich erfolgreich war.

Freitag, 25. Februar 2011

Schwedisierung

Wenn man einen Neuanfang wagt und auswandert, gibt es verschiedene Phasen der Eingewöhnung und Anpassung. Inwieweit jeder einzelne davon betroffen ist, hängt natürlich von einer ganzen Reihe von Faktoren ab, wie z.B. ob man weit wegzieht, wie anders die neue Kultur im Vergleich zur eigenen ist, ob man allein auswandert, wo man wohnt und arbeitet, von den Erwartungen, die man an das neue Leben knüpft, und natürlich von der eigenen Persönlichkeit.

Mein Ziel, als ich nach Schweden gegangen bin, war nicht unbedingt, ein vollständig assimilierter Teil der schwedischen Gesellschaft zu werden. Aber erleben, wie das Leben in Schweden so ist, wollte ich schon.  Ein wichtiger Schritt war natürlich, schwedisch zu lernen, auch wenn es nicht absolut notwendig ist, weil fast jeder englisch spricht. Aber schwedisch zu lernen, war mir von Anfang an wichtig, und das habe ich auch einigermaßen geschafft, was den alltäglichen Umgang z.B mit Papierkram erleichtert. Was die soziale Integration angeht, habe ich, bedingt durch meine Arbeit, hauptsächlich mit anderen Ausländern zutun. Die sind einfach in der gleichen Situation wie ich und deshalb aufgeschlossen und hilfsbereit, sodaß wir alle wie eine große Familie sind. Im Gegensatz dazu ist es schwierig, mit Schweden Freundschaft zu schließen. Die bleiben trotz freundlichen Umgangs auf Arbeit privat unter sich. "Wie lernt man Schweden persönlich kennen?" ist bei meinen Freunden und mir ein häufig diskutiertes Thema, für das wir noch keine zufriedenstellenden Antworten gefunden haben.

Abgesehen von der zwischenmenschlichen Anpassung an Schweden macht man kulturell natürlich mit, was sich so an Gelegenheiten bietet. Dazu gehören nicht nur Feste, sondern auch typisches Essen (ich sag nur surströmming).

Doch so ein paar Dinge habe ich mir bisher immer für Deutschland aufgehoben. Doch da ich ja mitunter monatelang nicht nach Deutschland komme, muß ich diese wohl oder übel angehen. Ob das einfacher wird, als mit einem Schweden Freundschaft zu schließen, wird sich herausstellen. Ich werde berichten.

The Andean Geotrail

Gestern und heute hatten mein Chef und ich einen Gast von der Universität Oslo, um über gemeinsame Projekte zu sprechen und die Verbindung zwischen unseren Arbeitsgruppen in Uppsala und Oslo aufzubauen. Bei dieser Gelegenheit hat er auch einen Abendvortrag im Institut zu einem ganz besonderen Projekt, dem Andean Geotrail, gehalten.

Im Jahr 2009 fuhr er zusammen mit seiner Freundin von Feuerland nach Peru auf dem Fahrrad und berichtete währenddessen in einem Blog über Naturgefahren, Rohstoffe und spektakuläre Landschaften auf dem Weg. Finanziert wurde dieses Abenteuer unter anderem vom "International Jahr des Planeten Erde", dem französischen Bildungsministerium und diversen Outdoorfirmen. Ziel war es, Kindern in französischen Schulen das Thema Geologie nahezubringen.

Ein wirkliches Abenteuer, das auch nachträglich noch einen Blick auf die Homepage oder den Blog lohnt.
Dieses Bild stammt von meiner Chilereise 2008, paßte aber gerade zum Thema.

Sonntag, 20. Februar 2011

Vulkane, Sonne und Tapas

Nach einer Woche berichte ich nun endlich von meiner Woche auf Gran Canaria, wo ich mit einer Studentenexkursion meiner Abteilung war. Von Stockholm dauert der Flug schon mal 6 lange Stunden. Da wird einem trotz Aussicht auf die Alpen schnell langweilig. Nach den Landung wurden dann die Mietwagen abgeholt, bevor es zur Unterkunft nach Maspalomas ging. 
 
Am nächsten Morgen ging die Exkursion dannn richtig los. Man kann sich das so vorstellen: Im Konvoi geht es von Stop zu Stop, wo sich die Gruppe dann die Geologie anschaut. Zuerst schauen sich die Studenten meist selbständig an, was es zu sehen gibt. Dann werden die Beobachtungen zusammengetragen, und der Professor gibt Hintergrundinforationen, um das Gesamtbild zu vervollständigen. Die Studenten machen sich Notizen, die abends nach Rückkehr zur Unterkunft zusammengefaßt werden. Zurück in Schweden wird es dann demnächst ein Seminar geben, bei dem die Studenten in Gruppen das Gelernte zusammen mit etwas Hintergrundinformation präsentieren.

Aber warum eigentlich Gran Canaria - mal abgesehen davor, daß es dort 45°C wärmer war als hier in Schweden? Gran Canaria ist wie die anderen kanarischen Inseln auch eine Vulkaninsel. Zwar wurde seit der Besiedlung auf Gran Canaria kein Vulkanausbruch beobachtet, aber die Gesteine, die die Insel über dem Meeresspiegel aufbauen, dokumentieren ca. 15 Millionen Jahre Vulkanismus. Die Geschichte der Insel begann am Meeresboden mit Ausbrüchen in mehreren Kilometern Tiefe. Von dort wuchs der untermeerische Vulkan bis zur Oberfläche, wo sich ein Schildvulkan bildete. Ein Schildvulkan hat flache Hänge; Ausbrüche sind wenig gefährlich mit dünnflüssiger Lava. Oberhalb der Gesteine des Schildvulkans findet man die Überreste drei großer, aufeinanderfolgender Stratovulkane. Im Gegensatz zu Schildvulkanen haben Stratovulkane steile Hänge und die typische Kegelform, die man zum Beispiel vom Fujijama kennt. Stratovulkane sind wesentlich gefährlicher, und die Gesteine auf Gran Canaria dokumentieren eine Reihe von gewaltigen, explosiven Ausbrüchen, die zu ihrer Zeit alles vernichtet haben, was ihnen in die Quere gekommen ist. Die jüngsten Gesteine gehören dann zu einer Phase mit sehr kleinen, kurzlebigen Vulkanen, die im Norden der Insel den Nährboden für den Weinanbau zur Verfügung stellen. Alles in allem ist Gran Canaria also vulkanologisch sehr interessant.

Den Rest werde ich jetzt aber in Bildern erklären. Wer will schon so viel Text lesen?
Von Stop zu Stop ging es meistens im Konvoi. Auf engen, kurvigen Straßen war das oft auch eine Herausvorderung für den Magen.
Der Geologe sieht nicht nur bunte Gesteine, sondern eine ganze Geschichte aus mehrfach aufeinanderfolgenden Ausbrüchen und Abtragungsphasen.
Ein typisches Bild für Gran Canaria: Berge mit grünen Hängen und Palmen.
Das grüne Gestein ist so auffällig, daß dieser Ort nach den bunten Kacheln aus Südspanien "los azulejos" genannt wird.
Hin und wieder kommt man nur zu Fuß weiter, eben wie bei echter Geologenarbeit.
Der Roque Nublo Monolith ist nicht nur geologisch von Interesse, sondern auch ein beliebtes Ziel für Kletterer und Wanderer.
 Ich fand die Exkursion sehr interessant. Es gibt schon ein paar einmalige geologische Sehenswürdigkeiten auf Gran Canaria, ganz zu schweigen von Sonne, Tapas und café con leche.

Samstag, 5. Februar 2011

Frühjahrsputz im Papierchaos

Eines der Dinge, die ich auf der Welt am meisten verabscheue und wenn nur möglich vermeide, ist Papierkram. Furchtbar! Am liebsten würde ich ihn komplett vermeiden. Da das aber heutzutage völlig unmöglich ist, reagiere ich normalerweise mit Verdrängung. Folglich sammelt sich mein Papierkram meist für längere Zeit ungeordnet in Ablagen und Kartons an, und meist ist die ist die Motivationsschwelle sehr viel höher als der Pegel meines schlechten Gewissens.

Nur manchmal habe ich reicht es mir mit der Unordnung, und dann mache ich erstmal noch größere Unordnung, um radikal aufzuräumen. Heute war so ein Tag, und ich bin wirklich stolz auf das Ergebnis: Neben einer großen Papiertüte voller Altpapier für den Ofen habe ich jetzt alles so in Ordnung, wie ich da haben möchte. Zusätzlich habe ich noch die Bedienungsanleitungen, Touristenhefte und meine diversen Rezepte und Kochzeitschriften sortiert. Dazu bin ich auch meinem diesjährigen Vorsatz gefolgt und war kreativ. Jetzt gibt es im Regal selbst gestaltete Unikat-Zeitschriftensammelordner. Auf daß es in Zukunft von Vornherein etwas ordentlicher bleibt.
Meine Ordner für Belege, Tourihefte und Rezepte.

Donnerstag, 3. Februar 2011

1,5 Jahre Schweden

Heute ist mein 1,5jähriges Schwedenjubiläum. Ja, wie eigentlich überall vergeht auch hier die Zeit schnell, und man gewöhnt sich an so vieles. Eigentlich ist das schade, denn Gewöhnung heißt ja irgendwie auch Abstumpfung. Und wenn ich an meine ersten Tage und Wochen und auch Monate hier zurückdenke, dann bin ich durchaus irgendwie abgestumpft. Anfangs war ich voller Neugier und Faszination für die Unterschiede zwischen der deutschen Kultur und der schwedischen. Ich habe alles Neue auf mich wirken lassen und war erstaunt über so vieles.

Dagegen kenne ich mich heute eben gut genug aus, um nicht alles in Frage zu stellen. Man hat sich eben eingerichtet in seinem Leben und macht meist Tag für Tag die gleichen Sachen, trifft die gleichen Leute, kauft im Supermarkt die gleichen Dinge. Im Vergleich zu unserer neuen Doktorandin hier (auch eine Deutsche) bin ich eine alte Häsin, was das Leben in Schweden angeht. Das ist ja auch gut so, denn diesen Dauerbeschuß mit Eindrücken wie am Anfang und auch die eigene Beeindruckbarkeit kann man auf Dauer nicht so richtig gut verkraften. Deshalb ist der Mensch eben ein Gewohnheitstier. Man braucht einfach eine gewohnte Umgebung, um sich sicher zu fühlen.

Trotzdem trauere ich den ersten Tagen der Faszination ein bißchen nach. Deshalb werde ich mich in Zukunft wieder um ein wenig mehr Neugier (auf schwedisch nyfikenhet) bemühen. Versprochen.

Montag, 31. Januar 2011

Blötkaka

Die ultimative Versuchung trägt den klangvollen Namen Blötkaka. An diesem Wochenende habe ich einen hergestellt, um herauszufinden, ob der Name hält, was er verspricht.
Für den Teig benötigt man
1 Tasse Zucker
Vanillezucker
3/4 Tasse Mehl
4 Eier
1 1/4 EL Backpulver
1 EL Kartoffelmehl (gehäuft)
3 EL kaltes Wasser

All das verrühre man zu einem recht flüssigen Teig und fülle diesen in eine gefettete Springform. Hoffentlich habt ihr eine dichte, bei meiner lief unten alles raus, sodaß ich einen zweiten Anlauf brauchte. Gebacken wird der Teig für 35 Minuten bei 180°C. Es handelt sich um einen Biscuitteig, der idealerweise so weit aufgeht, daß man 3 Schichten daraus schneiden kann (bei mir sinds auch beim 2. Anlauf nur 2 geworden). Die Schichten füllt man dann mit jeder Menge Schlagsahne und Früchten nach Belieben. Ich habe Tiefkühl-Himbeeren und -Brombeeren, sowie ein kleines Glas Johannisbeeren, die wir für die Likörherstellung benutzt hatten, verwendet. Entgegen dem, was man auf dem Bild oben sieht, habe ich auf die Früchte noch eine Schicht Schlagsahne aufgebracht, bevor ich die obere Schicht des Teiges aufgelegt habe. Dann wird der Stapel rundherum mit Schlagsahne verkleidet und mit Früchten verziehrt. Ich habe bewußt auf weiteren Zucker in der Sahne verzichtet (nur ein wenig Vanillezucker). Auch die Früchte waren ungesüßt. Zum Schluß kommt alles in den Kühlschrank (laut Rezept auch gerne für 1 bis 2 Tage).

Nun aber zum Testurteil: Zubereitung war bis auf den Teig, der fehlgeschlagen ist, nicht schwierig und enthielt sogar einen gewissen Spaßfaktor mit all der Sahne und dann die Farben von den Früchten. Ich denke, Kinder hätten ihren Spaß, wenn das ganze auch zu einer riesigen Sauerei werden könnte. Der Effekt bei Gästen ist auch der gewünschte: Der Kuchen sieht toll aus und schmeckt hervorragend. Einzige Schwierigkeit ist der eingebaute Sahne-Früchte-Sahne-Teil, der, um es geologisch auszudrücken, einen Abscherhorizont darstellt, wenn man den Kuchen in kleinere Stücke schneidet, d.h. die Schichten verschieben sich schon mal gegeneinander. 

Zu guter Letzt die Frage: Wars denn auch ein Blötkaka? Im schwedischen Sinne, ja, denn er war innen schön aufgeweicht. Im deutschen Sinne, nur zum Teil. Der Teig war etwas blöd herzustellen, aber das lag auch an meiner Springform. Also viel Spaß beim Nachbacken.
So sieht er von innen aus. Ist er nicht wunderschön blöt?