Sonntag, 13. Dezember 2009

Eine schwedische Geburtstagsparty

Gestern waren wir auf einer richtigen schwedischen Geburtstagsparty eingeladen. Ein Freund aus dem SGU hat seinen 40. gefeiert und in großem Stil gefeiert. Er hatte einen ehemaligen Pfarrhof gemietet und es gab Rentierkalb aus seiner Heimat in Nordschweden.

Traditionsgemäß wird bei schwedischen Feiern sehr viel gesungen und getrunken. So gibt es neben dem Gabentisch auch einen Tisch mit hartem Alkohol und eine Liedtextsammlung, welche man ganz selbstverständlich auf seinem Platz unter dem Teller findet. Essen und Stimmung waren grandios.

Übrigens ist Alkohol auch ein sehr beliebtes Geburtstagsgeschenk in Schweden. Warum wohl?

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Flyttning - Teil 3

Um die ganze Sache endlich zuende zu bringen, hier nun der letzte Teil des Berichts ueber unseren Umzug:

Der eigentlich Umzug: Mittwoch bis Freitag

Am Mittwoch 18 Uhr war es nach dieser scheinbar endlosen Zeit des Renovierens und Packens so weit: Der Transporter konnte abgeholt und beladen werden. Ich möchte gar nicht so sehr ins Detail gehen. Wichtig ist nur: Es waren genug fleissige Helfer da*, die unzählige Kartons und Möbelteile unzählige Treppenstufen getragen haben. Es war ein echter Kraftakt von 3 Stunden. Ohne Euch Helfer hätten wir das nie geschafft. Tausend Dank!!! Ihr werdet immer bei uns willkommen sein.

Ich kann nicht sagen, wann wir fertig waren, aber bis auf einen Spiegel und 3 oder 4 Pflanzen war irgendwann alles im Auto. Tetris war nichts dagegen, kann ich Euch versichern. Ich bin froh, dass so gut wie alles reingepasst hat. Das war vorher unmöglich abzuschätzen. Uebrigens wollte ich mich auch noch bei denen bedanken, die uns Kisten zur Verfuegung gestellt haben. Die haben wir wirklich alle gebraucht.

Die letzte Nach in der leeren Wohnung auf dem Teppich zu schlafen war irgendwie nochmal seltsam. Das fuehlte sich dann nicht mehr wie zu Hause an. Deshalb mussten wir um 6 Uhr auch nicht mehr auf das Weckerklingeln warten. Ein letztes Mal Staubsaugen uns noch diverse Kleinigkeiten einsammeln, ein letztes Mal beim Edeka nebenan Brötchen und Proviant einkaufen. Nach einer so anstrengenden Woche ist man froh, wenn es endlich vorbei ist, auch wenn ich 5 einhalb Jahre sehr gern dort gewohnt habe.

Um kurz vor 9 ging es puenktlich los. Ab 9 haben wir dann natuerlich die Daumen gedrueckt fuer die laufende Verteidigung (hat sich ja auch gelohnt). Das Auto fuhr sich sehr gut fuer ein ssolch langes Vehikel uund in Anbetracht der Beladung, sodass wir am Nachmittag am Fährhafen von Travemuende ankamen. Ausser uns gab es auf der Fähre noch ein weiteres Passagierpärchen, ansonsten fuhr die Fähre nur fuer Fernfahrer. Das Essen war auch erstaunlich billig, und aufgrund des Mangels an Touristen konnten wir uns auch ein wenig in der Cafeteria ausruhen während der 7stuendigen Ueberfahrt. Um 0:15 Uhr haben wir dann auch puenktlich in Trelleborg angelegt.

Es folgte eine lange, dunkle Fahrt mit einigen Pausen zum Tanken und Fahrer wechseln. Insgesamt haben wir etwa 9 Stunden fuer die 770 km durch Schweden gebraucht. Als es hell wurde, waren wir dann auch puenktlich zum Berufsverkehr in Stockholm, was nach einer Nacht mit viel zu wenig Schlaf kein Spass ist. Doch wenigstens war das Wetter recht schön, als wir gegen 9:15 am Haus ankamen.

Seltsamerweise war die Muedigkeit dann fast weg. Wenigstens beschlossen wir, uns nicht gleich hinzulegen, sondern schon mal ein paar Sachen aus dem Auto zu laden. Zwischendurch habe ich noch ueber Skype mit meinen Kollegen kommuniziert, um herauszufinden, wann sie zum Helfen vorbeikommen können. Immerhin war es ein ganz normaler Arbeitstag. Da wir aber zur Mittagszeit schon fast alles ausgepackt hatten, war es gar nicht nötig, dass noch irgendjemand zum Helfen kommen musste. Wir haben letztendlich den ganzen Transporter zu zweit in 3 Stunden wieder ausgeräumt. Es ist unglaublich, wieviel schneller es geht, wenn man nicht 3 Etagen laufen muss und die Sachen nicht ganz sorgfälgtig stapeln muss.

Nach dem Entladen sind wir dann wieder zurueck nach Uppsala gefahren, um den Mietwagen abzugeben, unser Auto mitzunehmen, Essen einzukaufen und die Katzen wieder abzuholen. Fuer die armen Katzen war das vorerst die letzte Autofahrt, bis sie vielleicht irgendwann mal zum Tierarzt muessen. Sie sind jedenfalls keine grossen Fans des Reisens geworden.

Am Freitag haben wir dann noch das Bett und das Sofa aufgebaut, bevor wir dann endlich den Schlaf der Gerechten schlafen durften. Was fuer ein langer, langer Tag! Momentan möchte ich nie mehr umziehen, auch wenn alles nach Plan verlaufen ist.

* Die Geburt des ersten Kindes ist eine gute Entschuldigung, nicht beim Umziehen zu helfen. Glueckwunsch und alles, alles Gute nach Clausthal!

Montag, 7. Dezember 2009

Jo-Ho

Hier ein netter Artikel aus der FAZ, gespickt mit ein paar netten Clichés ueber Schweden. Ist schon etwas älter mittlerweile, aber immer noch lustig zu lesen: Holzboot-Liebe.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Julbord

= "Weihnachtstisch", Weihnachtsfeier

Gerade sind wir von unserer ersten Weihnachtsfeier diesen Jahres zurückgekommen und zwar in unserem Dorf. Wir sind eigentlich hingegangen, um uns mit unseren Nachbarn bekannt zu machen, also sehen und gesehen werden. Was wir zu erwarten hatten, wußten wir nicht so richtig. Ich hatte uns nur letzte Woche per Telefon angemeldet.

Da es weniger als 1 km von unserem Haus bis zum Gemeindehaus ist, sind wir also vorhin kurz vor 5 mit der Taschenlampe losgegangen. Dort angekommen wurde bezahlt und noch 2 Lose für die Lotterie gekauft. Dann wurden wir, weil wir wohl schon ein bißchen spät dran waren an einen der 4 langen Tische gesetzt. Dann ging es auch schon los. Wir verhielten uns nach dem Prinzip: immer schön nachmachen, was die anderen an unserem Tisch tun. Das hieß, aufstehen und zum Buffet gehen, wenn alle anderen gehen. Das Lustige war, daß das alles tischeweise ablief, also zuerst der eine Tisch, dann, wenn sich die Schlange aufgelöst hatte, der nächste, in einer scheinbar festgelegten Reihenfolge.

Das julbord (im eigentlichen Sinne das Buffet) bestand aus scheinbar traditionellen kalten und warmen Speisen, z.B. Weihnachtsschinken (sowas wie Kassler), köttbullar, kleinen Würstchen, Rote-Beete-Salat, Heringssalat mit halben Zwiebeln und halben Heringen, diverse pastetenartige Wurstspezialitäten, schwedischem Brot (süßlich), Knäckebrot und Salten und schwedischem Senf. Am Ende der Schlange durfte man sich für eine Flasche julmust (ein typisches, limonadenartiges Getränk, das etwas malzig und gewürzig schmeckt) oder ein lettöl (Leichtbier) entscheiden. Man durfte sich auch nachnehmen, was irgendwie aucht tischeweise passierte.

Zwischendurch gab es Musik von zwei älteren Herren, die auf der Bühne mit Gitarre und Akkordeon schwedische Weihnachtslieder gesungen haben. Dazu gab es auch ein Heftchen mit den Texten. Der Text von "Rudolph the red nose reindeer" auf schwedisch ist schön...

Nach dem Essen wurde das Geschirr abgeräumt, bevor es am Buffet Nachtisch gab: Reisbrei und Erdbeer-Rote-Grütze. Danach wurde wieder abgeräumt, und es gab Kaffee und julkaka (Weihnachtskuchen), bevor es an die Verlosung bei der Lotterie ging. Zum Glück haben wir nichts gewonnen. Zum einen wäre es peinlich gewesen, zum anderen gab es fast nur bestickte Weihnachtsdeckchen und Porzellanweihnachtsmänner zu gewinnen.

Insgesamt war es etwas unausgelassen. Man hätte auch snapps (Übersetzung nicht notwendig ;-)) haben können für 40 Kronen haben können, aber das wurde überraschend wenig in Anspruch genommen. Wir sind kurz nach 8 gegangen, weil dann auch ein Großteil der anderen Gäste gegangen ist. Die beiden Männer haben immer noch gesungen, ein paar Leute sind auch noch sitzen geblieben, aber es war abzusehen, wie es weitergeht...

Nun ja, wir haben wenigstens unsere Mission erfüllt.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Flyttning - Teil 2

Renovierung und andere Nebenbeschäftigungen: Samstag bis Mittwoch

Ab Samstag war die Ruhe dann vorbei. Die Aufgabe lautete: Wohnung renovieren und gleichzeitig alles in Kisten packen. Am Samstag bin ich deshalb zusammen mit meinen Eltern in meine alte Wohnung gefahren, um alles, was nicht mit umziehen sollte, abzutransportieren, so zum Beispiel die Waschmaschine und den Kuehlschrank. Damit war ab Nachmittag genug Platz geschaffen, um die Kueche renovieren zu können. Danach war die leere Kueche natuerlich der ideale Platz zum Stapeln bereits gepackter Umzugskartons.

Sonntag ging es in gleicher Manier mit Bad und Flur weiter. Es wurde jeweils erst alles verpackt und ausgeräumt, bevor dann gemalert wurde.

Am Montag standen noch diverse Wege an (Post, Einwohnermeldeamt und Vorlesung in der Uni), bevor wir zum Schlafzimmer uebergehen konnten. es war schön, in der Uni ein paar alte Bekannte zu treffen. Leider war die Zeit viel zu kurz. Immerhin hätte ich fast meine eigene Vorlesung verpasst...

Am Dienstag ging es dann in einem letzten Kraftakt an die Renovierung des Wohnzimmers, wo mit Abstand noch die meisten Sachen gelagert waren. Gleichzeitig musste auch noch das Buero in der Uni ausgeräumt und ein Freund im Krankenhaus besucht werden. Da waren wir heilfroh, abends alles hinter uns zu haben und noch 2 gute Freunde mit noch mehr gutem, französischem Fingerfood eingeladen zu haben.

Mittwoch musste dann zu guter letzt noch die Wohnung geputzt und der Rest in Kisten verpackt werden. Fuer 15:30 war die Uebergabe an die Vermieterin geplant. Natuerlich musste sie zu allem Ueberfluss den Termin auf 14:30 vorverlegen, nur um dann 14:10 zu erscheinen. Wenigstens hatte sie nichts zu meckern, und ich bekomme auch bald meine Kaution zurueck.

Das war also die Renovierung. Ich kann sowas auf keinen Fall weiterempfehlen. Dazu ist diese Woche einfach zu anstrengend gewesen. Aber letztlich ist es ja doch gut geworden.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

svensk fika

Da wir Einwanderer hier am Institut normalerweise englisch miteinander reden, sodass wir wenig Gelegenheit haben, schwedisch zu sprechen. Das ist natuerlich schade, wo viele von uns wöchentlich zum Schwedischkurs gehen. Hinzukommt, dass die Schweden es auch oft vorziehen, mit uns englisch zu sprechen. Aus diesem Grund haben wir uns vor einiger Zeit dafuer entschieden, einmal pro Woche bei der Kaffeepause nur schwedisch zu sprechen. Heute war das 2. svensk fika, und bisher ist es ein voller Erfolg.


Dienstag, 1. Dezember 2009

Flyttning - Teil 1

So, nachdem nun alles vorueber ist, möchte ich endlich vom Umzug berichten. Im Nachhinein kommt es mir vor, als wäre ich eine Woche aus der Realität ausgeklinkt worden, und ich finde mich erst langsam wieder zurueck. Es ist so viel passiert in der einen Woche, dass ich es wohl kaum schaffen werde, alles jetzt zu bloggen. Aber ich fange erstmal an.

Preflyttning: Donnerstag & Freitag vorletzte Woche

Nachdem ich am Abend zuvor meine Katzen in die Obhut zweier Kollegen gegeben hatte, konnte die Reise im Prinzip losgehen. Zuvor musste ich jedoch noch mein Auto zum schwedischen TUV (eigentlich mit Punktchen drueber, aber hat die schwedische Tastatur leider nicht), dem sogenannten bilprovning. Die besiktning ist jährlich fällig und musste jetzt unbedingt gemacht werden. Zum Glueck hatte mir mein Vermieter noch einen Termin besorgt fuer Donnerstag 8:20. Leider hat er mir die falsche der beiden Stationen genannt, sodass ich erst noch in 10 Minuten durch die ganze Stadt fahren musste, um die andere zu suchen. Dann ging es aber ganz einfach: die Anmeldung erfolgt durch Eingabe des Nummernschildes ueber einen Touchscreen. Dann fährt man auf den Warteplatz vor die Tore und wartet, bis man reinfahren darf, entrichtet einen Betraf von 300 SEK und wartet, bis die Herren das Auto ueberprueft haben. Dabei werden Lichter, Bremsen, Stossdämpfer etc. geprueft. Urteil war gut. Nur die Radlager sind nicht in Ordnung und hinten haben 2 Lichter die falsche Farbe. Insgesamt hat die besiktning aber nur 20 Minuten gedauert.

Dann habe ich mich von meiner Katzensitterin mit meinem Auto zum Flughafen fahren lassen, wo ich noch einiges an Zeit hatte, bis mein Flug ging. Der Flug selbst und die Zugfahrt nach Göttingen waren gluecklicherweise ereignislos, abgesehen von der bemerkenswert guten Laune des Piloten, der beim Landanflug gleich noch ein paar touristische Hinweise ueber die Stadt Celle und beim Aussteigen einen Kommentar ueber das grandiose Wetter in Niedersachsen loswerden musste. Das Wetter war aber auch wirklich phantastisch: Sonne, 12 Grad und hell bis halb 6 abends!

In Göttingen angekommen, hab ich mich am Bahnhof gleich mit einer sehr guten Feundin zum Kaffee getroffen, während ich auf meinen Friseurtermin gewartet habe. Einfach mal wieder ein bisschen quatschen und lecker Kaffee trinken. Und dann war ich bei meiner Stammfriseurin. Ach ist das schön, endlich wieder eine Frisur zu haben! Glaubt mir, man möchte bei einer empfindlichen Sache wie der Frisur seine Wuensche in seiner Muttersprache erklären können. Noch dazu ist ein Haarschnitt in Schweden wesentlich teurer.

Ansonsten gab es dann am Donnerstag nur noch einen gemuetlichen Abend, sozusagen um die Ruhe vor dem Sturm auszunutzen.

Am nächsten Morgen ging es dann mit dem Zug ueber NDH nach Sondershausen und weiter zu meinen Grosseltern. Endlich wieder Hausmannskost! Und Familie nicht zu vergessen! Felix abends war auch grandios. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele kommen. Ich hab mich jedenfalls riesig gefreut und hatte eine Menge Spass - auch danach noch im CC, auch wenn ich den Schlaf dringend gebraucht hätte. Danke, dass Ihr alle da wart! Wir sehen uns dann am 25.12. an gleicher Stelle wieder. Der Tisch ist ja schon bestellt.