Da ich jetzt leider etwas unfreiwillig Zeit habe (ich bin krank), dachte ich, ich nutze die Gelegenheit und schreibe kurz etwas zu meiner September-Wohnung. Ich glaube, ich habe schon beschrieben, wie ich dazu gekommen bin. Der Einzug und die Wohnung selbst sind aber auf jeden Fall nochmal einen post wert.
Die Wohnung selbst befindet sich in einer Reihe neugebauter und z.T. noch unfertiger Blocks und zwar in dem ersten Block, der letztes Jahr im Mai fertig geworden ist. Die Wohnungen sind daher sehr modern - zu modern. Warum, erkläre ich gleich. Jeder Block ist nach dem Baukastenprinzip gebaut. Die Wohnungen (übrigens alle aus Holz) wurden vorgefertigt und dann wie Legosteinchen aufeinander gestapelt. Eine Wohnung hat ca 20 Quadratmeter und besteht aus Flur, Küchenbereich und Wohn/Schlafbereich ohne Türen, aber mit Trennwänden dazwischen, und dem Bad. Das Bad ist gefliest, aber ansonsten typisch skandinavisch: die Dusche hat keine Wanne oder sonstige Abtrennung zum Rest, sodaß ich erstmal lernen muß, zu duschen ohne das gesamte Bad zu fluten. Ebenfalls typisch für Schweden - und ein großer Vorteil gegenüber Deutschland - ist die Einrichtung: Es gibt 3 große Schränke, Kühl- und Gefrierschrank und eine voll eingerichtete Küche mit Herd, Backofen und Schränken.
Ebenfalls typisch für Schweden: In der Miete sind Heizung und kaltes Wasser enthalten. Ich bezahle nur noch extra für Internet, warmes Wasser und Strom. Den Verbrauch der letzten beiden Posten kann ich (und jeder andere auch) übrigens täglich auf der Website der Firma, die diese Wohnungen vermietet, verfolgen. Und das ist nur der Anfang der technischen Wunderwelt dieser Wohnung.
Hier funktioniert nämlich nichts mit Schlüssel. Nein! Es gibt einen Chip, den man für alles braucht, angefangen von der Haustür unten, dem Briefkasten, der tvättstuga (Waschmaschinenraum) und schließlich auch für die Wohnungstür. Möchte man zum Beipsiel Wäsche waschen, geht man zu dem Monitor vor der tvättstuga und bucht entweder 2 oder 3 Stunden, wann immer der Raum frei ist. Man kommt auch nur zu diesen Zeiten rein, was wohl schon zu mehreren Einbruchsversuchen geführt hat. Drinnen gibt es mehrere Waschmaschinen, Trockner und Trockenschränke (für die Wäsche, die nicht in den Trockner darf). Diese sind natürlich auch brandneu und können ca. 8 verschiedene Sprachen.
Wie bereits erwähnt, ist das alles etwas zu modern, denn hier wurden teilweise unerprobte Technologien zum ersten Mal eingesetzt. Dementsprechend schlecht funktionieren sie. Zum Beispiel der Briefkasten. Mit dem Chip sollte sich das Magnetschloß eigentlich ohne Weiteres öffnen lassen. Tut es nur nicht. Da es aber ein Magnetschloß ist, kann man mit ein bißchen Übung den Magneten so nach oben fummeln, daß sich die Tür öffnet. Toll, oder?
Doch damit nicht genug. Am Samstag wollten ein paar Leute aus dem Institut zu IKEA, was mir natürlich sehr gelegen kam, da ich außer einem geborgten Bett, Sessel, Tisch und Stuhl nichts weiter für die Wohnung hier habe. Also habe ich allerhand Kleinkram gekauft, z.B. Besteck, Geschirr, eine Lampe, einen Duschvorhang etc. Im zweitgrößten IKEA der Welt einkaufen zu gehen, wäre bestimmt ein größerer Spaß gewesen, wenn ich eine dauerhafte Wohnung hätte :-(
So war es in erster Linie anstrengend, sodaß ich ganz froh war, als mich mein Kollege mit meinen Sachen vor der September-Wohnung absetzte. Mein vermietender Kollege hatte mich, als er mir die Wohnung gezeigt hatte, schon gewarnt, daß das Schloß nicht immer funktioniert. Normalerweise sollte eine rote LED anzeigen, wenn abgeschlossen ist, eine grüne, wenn offen ist. Nur wenn es eine Fehlfunktion gibt, sollte es piepsen und rot blinken. Und genau das tat es! Also stand ich da mit meinen Sachen vor der Tür, kam nicht rein, konnte nicht weg, und zu allem Überfluß war auch noch mein Handyakku alle. Zum Glück war der Kollege, mit dem ich bei IKEA war, noch da. Also haben wir erstmal versucht, meinen Vermieter zu erreichen. Der war mit dem 2. Chip ca 1 Stunde vorher in der Wohnung gewesen, um mir eine Matratze zu hinterlegen. Doch leider war er nicht erreichbar (später stellte sich heraus, daß sein Handyakku alle gewesen ist), nur seine Freundin, die auch nicht wußte, wo er gerade war. Deshalb habe ich den Service angerufen, der für solche Störfälle zuständig ist und nach ca 20 Minuten da war. Nun ergab sich aber noch ein weiteres Problem: Ich als Untermieterin konnte natürlich vor Ort nicht beweisen, daß ich dort wohne. Wer hat schon seinen Mietvertrag immer dabei? Außerdem bin ich ja nur Untermieterin. Die Wohnung an sich war auch leer, sodaß nichts darin war, um meinen Anspruch zu beweisen. Zum Glück rief in dem Moment mein Vermieter von seiner Freundin aus zurück. Nach weiteren 15-20 Minuten war er dann auch da - mit Mietvertrag und Ausweis.
Es stellte sich heraus, daß der Chip, den ich bekommen hatte nur in etwa 3 von 10 Fällen funktioniert, der andere in 8 von 10 Fällen. Jetzt hab ich beide Chips, und auch wenn es nicht immer sofort klappt, komm ich irgendwie rein.
Ich kann meinem Kollegen nur danken, daß er so viel Geduld hatte und mich von A nach B nach C kutschiert hat. Wir waren jedenfalls beide total fertig. Nachdem er mich danach auch noch bei der Post vorbeigefahren hatte, konnte ich mich aufs Fahrrad schwingen und war nach ca 45 Minuten zurück in bei meinen Gastgebern, wo ich den ganzen August gewohnt habe. Ich wollte mich eigentlich nur hinlegen und vor der Party am Abend noch ein bißchen schlafen, aber siehe da: der Tisch im Garten war gedeckt und es sollte gerade Abendessen geben. Ich habe es dann doch noch geschafft, eine Stunde zu schlafen. Und es hat sich auch gelohnt. Die Party war toll, auch wenn ich keinen Tropfen Alkohol getrunken habe: Ich war die Fahrerin. Somit hab ich auch meine Volvo-Premiäre gehabt.
Sonntag gabs dann nach Brunch im Garten ein paar Stunden Pilze- und Bärensammeln (hab ganz viele Preiselbeeren, die demnächst nach Dresden reisen wollen), bevor ich dann mit meinen Sachen in die Septemberwohnung umgezogen bin. Montag bin ich dann mit Kopfschmerzen aufgestanden und mit Halsschmerzen abends zurückgekommen. Dienstag ging so gut wie gar nichts mehr, sodaß ich 15 Uhr schon wieder von der Arbeit zurück war. Zum Glück hab ich von Kollegen/Freunden polnische Grippetabletten bekommen (Paracetamol und noch so ein paar andere Sachen). Heute hab ich dann den Großteil des Tages verschlafen. Die Halsschmerzen sind fast weg, nur der Kopf tut noch weh. Es ist aber defintiv keine Schweine-Grippe. Ich hab kein Fieber. Ist aber schon komisch, denn ich bin nicht die einzige, die es hat. Und es ist seltsam, weil es vorgestern das erste Schweinegrippeopfer Schwedens ausgerechnet in Uppsala gab und überall im Institut Desinfektionsmittel rumstehen und Warnhinweise rumhängen. Ich hoffe, ich bin bald wieder OK. Was mich nämlich am meisten beunruhigt, ist, daß ich nicht krankenversichert bin momentan. Aber daran kann ich so schnell nichts ändern. Deshalb geh ich jetzt mal zurück ins Bett.