Dienstag, 4. August 2009

Välkommen

So, endlich habe ich einen Schreibtisch und Internet. Ich bin so froh, denn in der Zwischenzeit sind so viele Dinge passiert, daß ich fürchte, ich komme gar nicht hinterher mit bloggen. Deshalb hier eine Kurzfassung der Ereignisse von gestern und heute:

Gestern morgen ging es mit dem Auto zum Bahnhof, mit dem Metronom nach Hannover, mit der S-Bahn zum Flughafen, mit dem Flugzeug nach Arlanda, mit dem Bus nach Uppsala und zu Fuß zum Institut, und das alles in nur 8 Stunden. Hier angekommen - völlig am Ende von meinem Fußmarsch mit Gepäck durch die Stadt bei gefühlten 35°C -stand ich erst einmal vor verschlossenen Türen. In der vorlesungsfreien Zeit kommt man hier nämlich nur mit Karte rein. Zum Glück kam gerade jemand, der mir die Außentür öffnete. Vor dem Abteilungsflur hatte ich dann aber das gleiche Problem noch einmal, denn auch der ist nur mit Karte oder Code zu öffnen. Aber auch hier habe ich jemanden gefunden, der mich reingelassen hat.

Da mein zukünftiger Chef leider auch gerade nicht da war, wandte ich mich an die junge Dame, die meinen Besuch im Mai organisiert hatte. Und siehe da, nach 20 Minuten hatte ich einen Schlüssel und eine Schlüsselkarte. Dann tauchte nach nicht allzu langer Zeit auch der Chef auf. Nach einer kleinen Vorbesprechung, was denn in meinem Gastaufenthalt hier so ablaufen soll, eröffnete er mir, daß seine Unterkunftspläne leider zunichte gemacht worden waren: Er hätte das Appartment mindestens 1 Jahr mieten müssen, und das wollte er dann doch nicht unterschreiben. Verständlich. Also bin ich vorerst bei Kollegen einquartiert, die wohl öfter als Startpunkt für Neuankömmlinge fungieren.

Meine Gastgeber sind zufällig auch Deutsche und wohnen südlich von Uppsala nahe dem großen See in einem großen Haus mit Garten. Ich habe ein Zimmer mit 2 Betten, Schrank und Schreibtisch. Was will man mehr? Zufällig sammelt mein Gastgeber leidenschaftlich gern alte Fahrräder, sodaß ich auch eins geliehen bekommen habe: ein lila Damenfahrrad mit Körbchen. Damit sind wir dann zum Einkaufszentrum im nächsten Ortsteil geradelt und haben eingekauft. Irgendwann nach dem Abendessen habe ich es dann auch geschafft, meine Sachen auszupacken, zu duschen und todmüde ins Bett zu fallen.

Der heutige Tag begann mit Frühstück im Garten, dann 30 Minuten radeln, dann Gespräch mit dem Chef, Kaffee, Mittagessen in der Sonne im Innenhof usw. Auf jeden Fall durfte ich, nachdem kein Netzwerkadministrator aufzutreiben war (alle sind im Urlaub), meinen Rechner einfach ans Netz hängen, nachdem ich versichert hatte, ein aktuelles Vireprogramm zu haben. Und siehe da: es ging einfach so. Fehlt nur noch der Drucker. Bis auf ein kleines Problem: Ich kann aus meinem Foxmail keine Mails nach draußen versenden. Weiß da jemand Rat?

Ansonsten habe ich mich dann heute Nachmittag noch auf den Weg zum Skatteverket begeben, dem Einwohnermeldeamt/Finanzamt/Krankenkasse. Dort habe ich mit Pass und meiner vorläugigen Adresse einen Personnummer beantragt, eine Art Bürgernummer, ohne die hier gar nichts geht. Man stelle sich vor, die haben sogar Übersetzungen für die Formulare auf deutsch! So weit ist man in Deutschland noch nicht. 1:0 für Schweden würde ich sagen. Jedenfalls warte ich jetzt auf Post vom Skatteverket.

So weit erstmal bis hierher. Kurzfassung: Ich lebe noch, es geht mir gut, Schweden ist schön.

Sonntag, 2. August 2009

Die Koffer sind gepackt

oder besser gesagt, der Rucksack.

Das wird wohl erst einmal mein letzter Post aus Deutschland gewesen sein bis auf Weiteres. Heute Vormittag hab ich meine Sachen fertiggepackt und die Wohnung aufgeräumt. Morgen früh gehts los.Ich melde mich.

Freitag, 31. Juli 2009

Mein Juli

Ja, der Juli ist schon wieder vorbei, und irgendwie hatte ich den Eindruck, es war viel los. Immerhin gab es:
  • 1 Doktorurkunde
  • 2 Disputationen
  • 1 Doktorparty
  • 3 Geburtstage
  • 1 Hochzeit
  • 1 Friseurtermin
  • 2 Besuche in der Autowerkstatt
  • 1432 km (mindestens) unterwegs durch Deutschland
  • 2 Kinobesuche
  • und unzählige Kartons, die jetzt teilweise gepackt sind.
Insgesamt war dieser Monat also ziemlich ereignisreich. Es wäre bestimmt auch schön gewesen, ein paar ganz ruhige Wochen zu haben, bevor es im August in einen neuen Lebensabschnitt geht, aber so hatte ich wenigstens Gelegenheit, viele meiner Freunde wiederzusehen und mich zu verabschieden.

Heute Abend fange ich dann auch mal ernsthaft an zu packen. Es wird langsam Zeit. Irgendwie habe ich schon jetzt den Eindruck, die Hälfte vergessen zu haben.

Dienstag, 28. Juli 2009

Abschiedswoche

Meine letzte Woche in heimischen Landen ist angebrochen, bevor es am Montag nach Schweden geht; und ich habe verständlicherweise einiges zutun: vorwiegend packen, aber eben auch Abschied nehmen von dem Ort, an dem ich die letzten 8 Jahre gelebt habe.

Zum Abschied gehört neben einem Kaffee-und-Kuchen-Nachmittag heute mit meinen Kollegen und einem Gläschen Sekt am Freitag mit anderen Kollegen, einem französischen Käseabend mit Freunden, Kino am Donnerstag und Essen gehen mit der Familie am Wochenende auch, daß ich nochmal die ganz alltäglichen Dinge genieße, die ich an meinem Leben hier so mag, z.B.
  • sonntags morgens aufstehen und mit meiner National Geographic auf dem Balkon frühstücken
  • beim Bäcker um die Ecke mein übliches halbes Landbrot für 1,38€ kaufen
  • meine Jogging-Runde oben auf dem Niko-berg
  • Schnitten-Hüpfen im Uni-Sport
  • die tägliche Kaffeepause mit meiner Freundin
  • spielen mit meinen Raubtieren
  • ...

Montag, 27. Juli 2009

Und sie lebten glücklich und zufrieden...

Am Samstag war ich auf einer Hochzeit: der erste meiner alten Freunde aus der Schulzeit hat sich getraut! Und es war nicht nur deshalb eine ganz besondere Hochzeit. Es wurde in großem Stil zelebriert. Nicht genug, daß die Trauung in der wunderschönen Stabskirche in Hahnenklee stattfand; nein, es waren auch fast 100 Leute zur Feier eingelanden, unter anderem auch unser Freundeskreis (insgesamt 17 von uns waren anwesend).

(Das Foto hat freundlicherweise mein Freund Dudi von 2 is not binary zur Verfügung gestellt.)

Da es seit Monaten keine anderen Themen gab als Kleidung, Frisuren, Geschenke, waren wir alle hervorragend vorbeireitet und auf Hochglanz poliert, als es am Nachmittag endlich losging. Nach der Trauung gab es zuerst ein Gruppenfoto mit allen Gästen, bevor wir dann an den Ort der Feier zurückgefahren sind. Dort gab es ein weiteres Fotoshooting für die Gäste, während das Brautpaar ihre Hochzeitsbilder an der Kirche machen ließ.

Im Folgenden wurde natürlich alles an Traditionen aufgefahren, was eine Hochzeit so ausmacht: Baumstamm-Sägen, Spiele, Sketche, Geschenke, Torte, Walzer. Es war einfach ein wunderbarer Abend. Kein Wunder, daß ich es erst gegen 3 ins Bett geschafft habe.

Bleibt, den frisch gebackenen Eheleuten ein gemeinsames Leben voller Glück zu wünschen und sich zu fragen, ob das Eis jetzt gebrochen ist und wen es als nächsten treffen wird.

Freitag, 24. Juli 2009

It's Doktor-Time... again

Heute ist es wieder so weit, die nächste Charge frischer Doktoren darf das Gänseliesel besteigen. Diesmal ist meine beste Freundin dabei. Der Doktorhut ist auch schon fertig gebastelt, der Doktorwagen geschmückt. In 18 Minuten gehts los: Wir ziehen Richtung Innenstadt. Drücken wir die Daumen, daß das Wetter trocken bleibt für den Rest des Tages.

Vielleicht hab ich ja Zeit für ein Update, wenn ich wieder hier bin für die Party.

UPDATE: Es ist 23:54, die Party ist noch im Gange. Das Wetter - und die Frisur - haben gehalten. Es wurde fleißig geküßt, gratuliert, geschoben, gegrillt, gefeiert, geprostet, geredet, gegessen und sich geamüsiert (in ungeordneter Reihenfolge). Da ich morgen aber auf eine Hochzeit muß, werde ich mich bald verabschieden.

Fotoupdate: Das Gänseliesel in voller Blumenpracht kurz vorm nächsten Kuß.


Dienstag, 14. Juli 2009

Ich habs immer gewußt


Jetzt ist es auch wissenschaftlich bestätigt: Unsere Katzen manipulieren uns! Nicht, daß wir das nicht schon immer gewußt haben, aber jetzt wurde das Werkzeug unserer plüschigen Haustyrannen zweifelsfrei enttarnt: Wie Spiegelonline gestern berichtete, haben die Verhaltensbiologen McComb et al. einen drängenden Unterton im Betteln der Fellmonster nachgewiesen, der im Frequenzbereich von Babygeschrei liegt. In Kombination mit dem dem Schnurren ähnlichen Wünschlaut, den die vierbeinigen Suggesteure zu verschiedenen Gelegenheiten äußern, entsteht eine Aufforderung, der der zuständige Dosenöffner nicht widerstehen kann.

Das ist bestimmt nur eine von vielen revolutionär evolutionären Entwicklungen, seit sich vor etwa 4500 Jahren die erste langschwänzige Mäusefängerin entschlossen hat, daß es sich in Gegenwart eines Menschen ja so viel bequemer lebt. Augenscheinlich haben unsere hochmanipulativen Mitbewohner seit damals einiges dazugelernt, was menschliche Psychologie und Manipulation angeht. So gesehen, sind wir als Dosenöffner selbst verantwortlich.

Wie McComb et al. herausfanden, entwickelt sich dieses Manipulationsgeräusch nach und nach, wenn die vermeintlich gezähmten Raubtiere feststellen, daß sie ihre zweibeinigen Knechte damit gefügig machen können. So kommt ein solches Manipulationsverhalten vor allem in Haushalten vor, in denen es eine Bezugsperson gibt und den Marotten der pelzigen Psychoterroristen mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, daß besagter Laut äußerst penetrant und nur sehr schwer zu ignorieren ist. Leider setzt Löwenkind Leon in etwas inflationär ein, weshalb ich nicht immer zuordnen kann, was er gerade wünscht.